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Kanton Bern Die Suche nach Ackerland

Der Kanton Bern braucht mehr Ackerland, der Bund will das so. Aber nicht alle Gemeinden wollen ihr Land hergeben.

Erich Linder und Fritz Trachsel in einem kleinen Tal.
Legende: Erich Linder (links) und Peter Trachsel vom Kanton untersuchen mögliches Ackerland in der Gemeinde Rütschelen. SRF

Der Bund gab dem Kanton Bern vor, zusätzliches Ackerland zu suchen. Und die Spezialisten des Kantons wurden fündig: 5000 Hektaren fanden sie im hügeligen Voralpengebiet. Aber: 1300 Hektaren werden von den betroffenen Gemeinden in Frage gestellt.

In der Gemeinde Rütschelen bei Langenthal zum Beispiel fanden Projektleiter Erich Linder und sein Team vom Amt für Gemeinden und Raumordnung 16 Hektaren zusätzliches Ackerland, also eine Fläche von gut 22 Fussballfelder.

Eine Karte von Rütschelen.
Legende: Rot ist Ackerland, blau sind die Flächen, die der Kanton als Ackerland ausscheiden wollte, Rütschelen aber nicht. zvg/Kanton Bern

Doch Rütschelen war damit nicht einverstanden und verlangte, dass der Kanton die Flächen überprüft. Der Boden sei qualitativ nicht gut genug, um beackert zu werden, sagt Gemeinderat Fritz Kurth, verantwortlich für das Ressort Bau und Planung.

Wir haben lehmigen Boden, die Flächen sind zum Teil sehr nass und haben wenig Sonne.
Autor: Fritz KurthGemeinderat Rütschelen

Laut Gemeindepräsident Stefan Herrmann sind auch politische Gründe für die Ablehnung des zusätzlichen Ackerlandes verantwortlich. Es bestehe ein gewisser Unmut gegenüber dem Kanton.

Stefan Herrmann und Fritz Kurth.
Legende: Gemeindepräsident Stefan Herrmann (links) und Gemeinderat Fritz Kurth. SRF

«Manchmal haben wir schon das Gefühl, dass wir zwar gut genug sind, um Ackerland zur Verfügung zu stellen, aber uns baulich nicht weiter entwickeln dürfen.» Rütschelen ist nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden und ist in die Kategorie «Berg- und Hügelgebiet» eingeteilt. Das heisst laut dem neuen Raumplanungsgesetz, dass die Gemeinde kaum neues Bauland einzonen kann.

Peter Trachsel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Amtes für Landwirtschaft und Natur, ist auf den umstrittenen Flächen mit seinem Bohrstab unterwegs. Er prüft, wie tief die Erde reicht, in der Wurzeln wachsen können.

Peter Trachsel mit einem Bohrstab.
Legende: Peter Trachsel vom Amt für Landwirtschaft und Natur nimmt in Rütschelen Bodenproben. SRF

50 Zentimeter tief muss die für Wurzeln durchlässige Erde sein, damit die Fläche als Ackerland gilt. In diesem Tal in Rütschelen ist nur ein Teil der vom Kanton ausgeschiedenen Fläche Ackerland, die andere nicht. In Bachnähe ist die Erde zu nass und zu lehmig.

Das Resultat der Bohrung in Rütschelen.
Legende: Dieses Stück Boden ist nicht als Ackerland geeignet. Ab 40 Zentimeter ist der Boden lehmig und nass. SRF

Projektleiter Erich Linder vom Amt für Gemeinden und Raumordnung ist nicht erfreut. Möglichst viel zusätzliche Fläche möchte er als Ackerland ausscheiden, damit der Kanton eine gewisse Flexibilität hat. «Das heisst, bauliche Vorhaben von kantonalem oder nationalem Interesse können so von der Kompensation befreit werden.» Für Land, das als Bauland eingezont wird, müsste dann nicht anderswo neues Ackerland gesucht werden.

Am Schluss entscheidet die Bernische Regierung, wie viel zusätzliches Ackerland sie in den Gemeinden ausscheiden will. Eine heikle Abwägung. Einerseits muss der Kanton dem Bund genügend Ackerland für Krisenzeiten zur Verfügung stellen und eine Reserve schaffen, um sich baulich weiter entwickeln zu können. Andererseits will sie die Gemeinden nicht vor den Kopf stossen.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "à propos" Ernährungssicherheits-Versprechen der teuren Zuständigen der Schweizer LW!?? Eigen-Interessen -Verfolgung der ebenfalls von den Volks-Steuergeldern entlöhnten Gemeinde-Stadt-Kantons-Regierungs-RäteInnnen der Schweiz!?? Frage: wer ist hier "Arbeitgeber und ChefIn" - wer bezahlter Angestellte/r des Volkes?? "Ernährungssicherheit - Agrarland-Schutz??
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  • Kommentar von Nick Schaefer (Nick Schaefer)
    Da hängen viele Dinge am gleichen Rattenschwanz. Einige Massnahmen: 1. Mehr als drei Jahre Unbebautes Bauland zwingend und entschädigungsfrei rückzonen. 2. Eine 80% Gewinnsteuer auf allen historischen Baulandeinzonungen, mit Freigrenze bei 0.5 Mio. 3. Landesweite Freigabe der Bauhöhe auf fünf Stockwerke, in städtischen Gebieten auf 20 Stockwerke. Wiederum mit 80% Gewinnsteuer, sowie auch wieder mit Freigrenze.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      1. Führt nur zu mehr nutzlosen Bauten, 2. Bedingt erst mal eine Verfassungsänderung, 3. Bringt bloss ene Verstädterung der Dörfer. Also alles untaugliche Massnahmen. Weitere Ideen?
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