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Reitschule Bern Kantonsparlament erklärt Initiative für ungültig – kein Unikum

Die kantonale Reitschul-Initiative der Jungen SVP soll nicht vors Volk kommen. Der bernische Grosse Rat hat sie für ungültig erklärt. Eine Seltenheit in der Schweiz, aber bei weitem nicht einzigartig.

Die Reitschule
Legende: Die Stadt Bern soll im kantonalen Finanzausgleich schlechter gestellt werden, wenn sie die Reitschule weiter duldet. Elisa Häni/SRF

Kein ungewöhnliches Vorgehen

Politologe Maximilian Schubiger
Legende:Politologe Maximilian Schubiger.Christian Strübin/SRF

Rund 200 kantonale Volksinitiativen seien in der Vergangenheit schweizweit umstritten gewesen und zum Teil auch als ungültig erklärt worden, ordnet Maximilian Schubiger, Politologe der Uni Bern den Entscheid ein. Es gebe zahlreiche Fälle, in denen das Bundesgericht den Entscheid des Kantonsparlaments umgestossen habe.

Stadt vs. Kanton

Die Stimmberechtigten der Stadt Bern stellten sich in fünf Abstimmungen stets hinter das Kulturzentrum. Deshalb nahm die Junge SVP nun einen Anlauf auf kantonaler Ebene, um der Stadt Bern den Geldhahn zuzudrehen.

Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Die Initianten um SVP-Nationalrat Erich Hess wollen das Bundesgericht in Lausanne einschalten. Das Begehren richtet sich gegen das autonome Kulturzentrum Reitschule:

  • Die Stadt Bern soll im kantonalen Finanzausgleich schlechter gestellt werden, wenn sie die Reitschule weiter duldet.
  • Auf 54 Millionen Franken müsste die Stadt jährlich verzichten.

«Im Zweifel soll das Volk entscheiden» ...

SVP, EDU und FDP sahen keinen zwingenden Grund, das rechtlich umstrittene Begehren für ungültig zu erklären. Im Zweifel solle das Volk entscheiden, erklärten Sprecher der bürgerlichen Parteien in der über dreistündigen Debatte.

... «Rechtsgleichheit verletzt»

Anders sah es die Ratsmehrheit mit SP, Grünen, EVP, BDP und Grünliberalen. Die Stadt Bern und die Reitschule würden anders behandelt als andere Gemeinden und Institutionen im Kanton Bern. Dadurch sei das Gebot der Rechtsgleichheit verletzt.

«Wir verurteilen Gewalt»

Mit der Ungültigerklärung folgt das Parlament der bürgerlich dominierten Regierung. Auch sie ist aus juristischen Gründen nicht bereit, die Initiative vors Volk zu bringen. Das ändere nichts daran, dass der Regierungsrat die Geschehnisse rund um die Reitschule verurteile, insbesondere die Angriffe auf Kantonspolizisten, betonte Regierungspräsidentin Beatrice Simon.

Stadt Bern erfreut über Entscheid

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) begrüsst die Ungültigkeitserklärung der Reitschul-Initiative. Wie die Mehrheit des Grossen Rates ist er der Meinung, dass das Begehren der Jungen SVP gegen übergeordnetes Recht verstösst.

Aus seiner Sicht hat das Kantonsparlament «keinen politischen, sondern einen juristischen Entscheid» gefällt.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    "derzeit günstige Wetter" Wäre nun an der Zeit, dass die "Reithalle" zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird, damit den ankommenden "Flüchtlingen" eine würdige Unterbringung angeboten werden kann. Hier sollten besonders auch die weltoffenen "Kulturschaffenden" aus der Reithalle konstruktiv mitarbeiten und beim Umbau der Reithalle zur Flüchtlingsunterkunft aktiv und mit Herzblut mitmachen. (suedostschweiz-wieder-tausende-fluechtlinge-aus-mittelmeer-gerettet)
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Nebst den SVP Grossräten/innen und ein paar wenige Grossräte haben alle anderen SP-,FDP-, BDP-, usw. -Grossräte/innen gegen die Initiative gestimmt. Da kann man sich schon an den Kopf greifen, was diese Parlamentarier/innen überlegen, wenn sie für diesen Schandfleck in der Bundeshauptstadt und die Chaoten, Kriminellen und Tagediebe noch Kantonsgelder sprechen möchten. Es ist nur zu hoffen, dass die Stimmbürger bei den kommenden Grossratswahlen daran denken, wem sie die Stimme geben wollen.
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Auch die bürgerlich dominierte Regierung ist gegen diese Initiative.
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    2. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Auf dem Papier und rein theoretisch ist die Berner Kantonsregierung schon mehrheitlich bürgerlich, Herr Camenisch! Ideologisch wird aber bewiesenermassen meistens "rot/grün" gewurstelt und abgestimmt im Gremium! Früher war der Bauernkanton noch einen festen, eidgenössisch stimmender Stand! Seit Jahren überstimmen die Städte (Bern, Biel, Thun, Langenthal) und Grossagglomerationen im Kanton immer mehr die Landbevölkerung! Bern triftet daher immer mehr nach "links" ab!
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Werden in Zukunft alale SVP initiativen für ungültig erklärt? Das wäre eine gravierende Verletzung der Volkssouveränität. Zur Erinnerung: In damals kommunistisch regierten Staaten wurden mit Ausnahme der kommunistischen Partei alle andern Parteien verboten. Merken die Sozis und ihre Verbündeten nicht, dass sie den Rückwärtsgang geschaltet haben?
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    1. Antwort von Dave Gruen (Echt jetzt?)
      Alle SVP Initiativen für ungültig zu erklären wäre zu schön um wahr zu sein. Nein im Ernst Frau Zelger, wir sind uns doch hoffentlich einig, dass grundsätzlich alle Initiativen für ungültig erklärt werden müssen, die geltendem Recht bzw der Rechtstaatlichkeit wiedersprechen. Egal ob sie von der SVP kommen oder von einer anderen Partei.
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