Kraftwerke Oberhasli: Wirtschaftlicher Druck kostet 50 Stellen

Die KWO kämpft um seine langfristige wirtschaftliche Standhaftigkeit. Darum soll das Unternehmen kleiner werden und weniger kosten, so hat es der Verwaltungsrat beschlossen. 50 Arbeitsplätze gehen in den nächsten zwei Jahren verloren.

Video «Stellenabbau bei KWO trifft Haslital» abspielen

Stellenabbau bei KWO trifft Haslital

5:24 min, aus Schweiz aktuell vom 21.1.2016

Noch hat die KWO 350 Arbeitsstellen (verteilt auf rund 500 Mitarbeitende). Im Lauf der nächsten zwei Jahre sollen 50 Stellen wegfallen, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Die Hälfte durch natürliche Abgänge, die andere Hälfte durch Kündigungen.

Das Unternehmen hat für die Betroffenen einen Sozialplan ausgearbeitet, der nicht mit Abgangsentschädigungen, sondern mit Zeit-Gutschriften für eine berufliche Neuorientierung funktioniert. Die Gewerkschaft VPOD billigt dem Unternehmen zu, ein verlässlicher Partner zu sein und die Sozialpartnerschaft zu leben. Damit sind die Folgen einer Restrukturierung klar, die das Unternehmen vor einem Jahr angekündigt hat.

Die Wirtschaftlichkeit des Stromunternehmens sei unter Druck geraten durch die massiven Veränderungen im internationalen Energiemarkt mit Stromüberfluss und subventionierten Dumpingpreisen. Das Berner Oberländer Energieunternehmen verdient deshalb mit dem Wasserstrom aus den Grimselwerken seit geraumer Zeit praktisch kein Geld mehr.

Darum zieht der Verwaltungsrat laut Mitteilung folgenden Schluss: «Die künftige KWO muss kleiner werden und weniger kosten.» Das bedeutet, dass Grossprojekte zwar noch fertiggestellt werden, weitere Investitionen aber gedrosselt werden. Weniger Grossprojekte aber bedeuten einen Stellenabbau.

Abbau soll genügen

Nur mit diesem Abbau könne die KWO «als verlässliche Arbeitgeberin im Oberhasli bestehen bleiben». Der Verwaltungsrat gehe heute davon aus, dass diese Massnahmen genügen werden, damit die KWO im neuen Umfeld der Energiebranche bestehen könne. Deshalb müssen auch die Hotel- und Gastronomiebetriebe an der Grimsel und der Unterhaltsbetrieb Grimsel Hydro kostengünstiger und rentabler werden. «Wir sind uns unserer Verantwortung der Region gegenüber sehr wohl bewusst», betonte Verwaltungsratspräsident und Ständerat Werner Luginbühl am Donnerstag.

Bei der KWO arbeiten Leute in ganz unterschiedlichen Berufsgruppen, von der Kraftwerkstechnik über den Unterhalt auch für andere Kraftwerkunternehmen bis zum Tourismus. Die KWO ist in den Gemeinden Innertkirchen und Guttannen der absolut dominierende Arbeitgeber, Ausbildner und Wirtschaftsfaktor.

Region erschrickt im ersten Moment

«Wir sind im ersten Moment erschrocken und verunsichert», sagt Walter Brog, Gemeindepräsident von Innertkirchen, Unternehmer und Regionsvertreter im KWO-Verwaltungsrat.

«Aber bei einer Auslegeordnung müssen wir uns Rechenschaft geben, dass es immer Verschiebungen von Arbeitsplätzen gegeben hat, wenn Grossprojekte abgeschlossen waren.»

Walter Brog bescheinigt dem Unternehmen denn auch, beim Abbau sorgfältig gehandelt zu haben. «Das ist kein Kahlschlag, den wir jetzt erleben.»

Erleichtert ist Walter Brog zudem, dass die KWO grundsätzlich am Standort Innertkirchen und an der Wasserkraft festhält und dabei auch den Unterhaltsbetrieb Grimsel Hydro und die touristischen Anlagen weiterführt. «Das wäre dann definitiv eine grössere Sache für uns geworden, wenn diese Unternehmensteile in Frage gestellt worden wären.»