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Kritik an Gefängnis Thorberg Finanzkontrolle nimmt Personalführung unter die Lupe

Kündigungen und Absenzen im Gefängnis Thorberg verursachen hohe Kosten. Jetzt schaut der Kanton Bern genauer hin.

Das Gebäude aus der Ferne.
Legende: Die Strafanstalt Thorberg steht seit geraumer Zeit in der Kritik. Keystone

Die Finanzkommission hat die Finanzkontrolle mit einer Sonderprüfung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Thorberg beauftragt. Im Mittelpunkt stehen die finanziellen Folgen der Personalführung.

«Es gibt viele Absenzen wegen Krankheit und eine hohe Fluktuation», sagt Kommissionspräsident Daniel Bichsel (SVP). Solches bringe hohe Kosten mit sich. «Darum wollen wir hier genau hinsehen.»

Heftige Kritik an der Thorberg-Leitung

In der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» vom 18. Mai 2018 übten Thorberg-Mitarbeiter harte Kritik: Wegen Arbeitsbelastung, Ausfällen und mangelnder Ausbildung sei die Sicherheit auf dem Thorberg nicht immer gewährleistet gewesen.

Die Leute kämen übermüdet zur Arbeit, seien unzufrieden, bekämen keine Wertschätzung von oben. Es herrsche ein Klima der Angst. «Jeder, der kann, geht weg vom Thorberg», sagte ein Angestellter.

Am 31. Mai sagte der Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbandes bei «Schweiz aktuell» über die Strafanstalt Thorberg: «Wenn ich die letzten zwei Jahre anschaue, ist es bedenklich, wie viel Schlechtes ich gehört habe.»

Die Finanzkommission hat Kenntnis genommen davon, dass Mitarbeitende auf dem Thorberg unzufrieden sind und offenbar Führungsprobleme bestehen. Sie habe sich daraufhin selber ein Bild der Lage gemacht, schreibt die Kommission. Sie sei «zum Schluss gekommen, dass die aufgeworfenen Fragen vertieft abgeklärt werden müssen».

Die Resultate der Untersuchung werden frühestens Ende September vorliegen. In welcher Form die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Untersuchung informiert wird, sei noch offen, schreibt die Kommission.

Kanton will Mitarbeiter befragen

Thomas Egger, Direktor der JVA Thorberg, war 2014 damit beauftragt worden, den Betrieb umfassend zu reorganisieren. «Diese Reorganisation hat die 136 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich zu ihrer anspruchsvollen Tagesarbeit stark belastet», heisst es in einer Mitteilung des Kantons Bern.

Das kantonale Amt für Justizvollzug will nun unter den Thorberg-Angestellten eine Umfrage durchführen. Diese war zwar sowieso geplant und wird jetzt vorgezogen. Dies aufgrund der in Medien publik gewordenen Vorwürfe.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich zu den unternommenen Schritten äussern. Die Ergebnisse dieser Befragung sollen «den verantwortlichen Kadern ein repräsentatives Bild des Ist-Zustands geben». Bei Bedarf wollen die Verantwortlichen dann gezielte Verbesserungen einleiten.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Warum werden die Gefangenen nicht auch befragt? Es ist bekannt, dass Gewalt unter Gefangenen stark vom Management abhängt und hohe Fluktuationsraten bei Personal die Gewaltsvorkommnisse häufiger werden lassen. Insofern sollte man die Bedingungen für alle verbessern, denn weniger Gewalt heisst auch, besseres Klima und damit angenehmere Arbeitsverhältnisse!
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  • Kommentar von Geneviève Schmid (Geneviève)
    Man hört in den letzten Jahren verstärkt von solchen Führungsstilen und erlebte sie teils auch selber... Schade. Und eben: Auch sehr teuer! Ein Argument, das Chefs bei Klagen von Mitarbeitern leider oft ignorieren. Gut, wenn es mal angeschaut wird.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die motzenden Politiker haetten lieber rechtzeitig dafuer gesorgt, dass die Heftlinge in der Ruhezeit in Einzelzellen untergebracht werden koennen und der Personalbestand so aufgestockt wird, sie waehrend der Arbeits- und uebrigen Kollektivzeit nahtlos ueberwachen und Gewalt im Keim ersticken zu koennen....
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