Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei auf Stippvisite in Bern

Das Zentrum Paul Klee erhielt am Mittwoch Besuch vom berühmten chinesischen Künstler Ai Weiwei. Er erklärte, warum die Kunstausstellung «Chinese Whisperers» in Bern das Leben in China gut eingefangen hat und weshalb die Gebäude in China Kopien aus dem Westen sind.

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Ai Weiwei in Bern

2:33 min, aus Tagesschau vom 27.4.2016

Kunst widerspiegle die Gesellschaft besser als jedes Geschichtsbuch, sagte Ai Weiwei im Zentrum Paul Klee vor den Medien. Ai Weiwei ist einer der berühmtesten Künstler Chinas. Er selber bezeichnet sich auch als Aktivist. Bekannt ist er als Kritiker des kommunistischen Systems in China und für sein politisches Engagement. Heute lebt er bei seiner Familie in Berlin.

In Europa sei die Kunst viel breiter und offener, sagte Ai Weiwei. Gewisse Themen dürften in China nicht angesprochen werden. Auf die Frage, ob es einfacher sei, in China oder Europa Kunst umzusetzen, antwortete er, dass die beiden Länder verschiedene Probleme auf menschlicher Ebene hätten. «Ich bin auf jeden Fall viel beschäftigter in Europa», sagte er lachend.

Weiwei ein Multitalent

Das Multitalent ist auch Professor an der Universität Berlin, Architekt und arbeitet momentan schon an seinem nächsten Projekt: einer Dokumentation über die Flüchtlingskrise. Ai Weiwei ist überzeugt, dass Europa das Potenzial hat, zu helfen. Die Flüchtlingskrise sei eine Art Test für unsere Humanität.

Selbstverständlich sind in der Ausstellung in Bern auch Werke von ihm zu bestaunen. Die Ausstellung «Chinese Whispers», eine Dokumentation Chinas durch Kunst, ist noch bis am19. Juni im Zentrum Paul Klee und Kunstmuseum Bern geöffnet. Danach soll davon ein grosser Teil in Hongkong zu sehen sein.

Leihgeber Uli Sigg will die Kunst, die er in China gesammelt hat, wieder der Öffentlichkeit zurückgeben. Das Gebäude dafür hat das Schweizer Architektenunternehmen Herzog & de Meuron in Zusammenarbeit mit Ai Weiwei realisiert. Im Rahmen einer Gesprächsreihe debattierten der Architekt Jacques Herzog, Ai Weiwei und Uli Sigg über das Bauen in der Zukunft in China.

Chinesische Gebäude sind kopiert

«Die meisten Gebäude in China sind Kopien, abgeschaut vom Westen», sagte Weiwei. Es gebe keine Debatten über Ästhetik oder Architektur. Beamte würden entscheiden und Gewinne einstreichen.

Das Museum M+ von Sigg soll genau diese Freiheit verkörpern und ein Gegenpol zu den Standardkopien darstellen. Es wird voraussichtlich 2019 seine Tore öffnen und dann zu den grössten Museen der Welt zählen.

Auf Vertrauen setzen

Michael Baumgartner

Michael Baumgartner SRF

Es sei ein Glücksfall für das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee, dass mit Kunstsammler und Mäzen Uli Sigg eine langjährige Beziehung gepflegt werden konnte, sagt der künstlerische Direktor Michael Baumgartner. «Ohne gegenseitiges Vertrauen wäre es nicht möglich gewesen, Teile aus der Sammlung Siggs in Bern ausstellen zu können.»

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