«Kultur findet überall statt»

Vertreter von Kultur und Politik diskutieren am Stadtland-Gespräch des Regionaljournals über die Existenz eines Grabens zwischen Stadt- und Landgemeinden. Streitpunkt ist die Verpflichtung der Gemeinden in der Peripherie, an die institutionelle Kultur der Städte zu zahlen.

Anlass zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema bieten aktuelle Ereignisse: Die Regionale Kulturkonferenz Thun hat es kürzlich abgelehnt, mehr Geld für die Thuner Kultur zu bewilligen. Und die Gemeinden der Regionalkonferenz Bern-Mittelland sollen in diesem Jahr Beiträge für die Sanierung des Stadttheaters Bern sprechen.

Austausch zwischen Stadt und Land

«Kulturangebote aus der Stadt werden nicht nur von Städtern in Anspruch genommen», sagt der bernische Kulturdirektor Bernhard Pulver beim Stadt-Land-Gespräch des Regionaljournals in der Cacis Mühle in Grosshöchstetten. Ausserdem zögen viele Städter für den Genuss von Kulturveranstaltungen in ländliche Regionen – wie zum Beispiel an die Musikfestwochen nach Meiringen. Stadt und Land würden nicht gegeneinander ausgespielt, ist Regierungsrat Pulver überzeugt.

Die grossen Institutionen seien teuer, so Pulver. Aber im Vergleich mit Zürich kosten die kulturellen Angebote in den Städten im Kanton Bern nicht das grosse Geld. «Wir haben mit verhältnismässig wenig Geld viel herausgeholt», ist Bernhard Pulver überzeugt. Der neue Direktor von Musik Theater Bern, Stefan Märki, empfindet das Kulturangebot in der Stadt Bern als ausgesprochen reich. Und auch wenn man mit weit geringeren Beiträgen auskommen müsse, seien die Ansprüche an die kulturelle Qualität trotzdem hoch.

«Gemeinden sind für ihre Gebäude selber zuständig»

Nicht von einem Graben zwischen Stadt und Land sprechen will Franziska Fuss, Gemeindepräsidentin von Teuffenthal: «Wir auf dem Land leben Kultur eher im Brauchtum und im Alltag.» In der Stadt sei die Kultur institutionalisiert. Aber: «Kultur findet überall statt.» Einen Graben könne sie deswegen nicht ausmachen. Moritz Müller, SVP-Grossrat aus Bowil, meint: «Die finanziellen Wünsche aus der Stadt sind gross. Aber wir beteiligen uns daran». Womit er Mühe habe, sei die Forderung der Stadt, dass sich die Landgemeinden an der Instandhaltung der Infrastruktur beteiligen sollten. Zum Beispiel für die anstehende Sanierung des Stadttheaters Bern. «Wir sind in unserer Gemeinde auch selber für die Erhaltung unserer Gebäude zuständig», sagt Müller.

Im zweiten Stadt-Land-Gespräch des Regionaljournals und der SRG Bern Freiburg Wallis erörterte Regierungsrat Bernhard Pulver sein Kulturverständnis für den ganzen Kanton Bern. Den kulturellen Akzent setzten die «Kummerbuben», die Band aus Bern mit Buben vom Land.