Kultur in Biel mit Sozialem verbinden?

Im neuen Programm von Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) fällt beim Schauspiel ein hoher Frauenanteil auf. Das Orchester lädt zu Reisen ein und die Oper spannt einen weiten Bogen. Am Rand der Medienkonferenz nahm die TOBS-Leitung auch Stellung zu den Sparbedürfnissen der Stadt Biel.

Das Musiktheater heisst neu wieder Oper. Sie bedient verschiedene Vorlieben, von der Traviata über «Maria de Buenos Aires» mit Musik von Astor Piazzolla bis zu Benjamin Britten. Dessen Stück «Owen Wingrave» ins Programm zu nehmen, sei «schon ein relativ mutiger Entscheid» gewesen, sagt Operndirektor und TOBS-Intendant Dieter Kaegi.

Das Stück sei kaum bekannt und von Britten ursprünglich fürs Fernsehen geschrieben worden. Auch das Stück von Piazolla gehöre nicht unbedingt zum Standardprogramm. «Wir versuchen, in unserem Strauss von fünf Stücken einiges zu finden, das nicht alltäglich ist.»

Berner Star kommt nach Biel und Solothurn

Im Schauspiel fällt der hohe Frauenanteil auf - mit Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» etwa oder «Ephebiphobia (Angst vor Teenagern)» der britischen Autorin Tasmin Oglesby. Zudem wird Heidi Maria Glössner in Biel und Solothurn zu sehen sein - ein Publikumsliebling vom Berner Stadttheater und bekannt vom Film «Die Herbstzeitlosen». TOBS übernimmt das Stück «Helena - Plädoyer für eine Schlampe» mit Heidi Maria Glössner von Konzert Theater Bern.

Weiter bringt das Schauspiel ein Stück, welches erst noch entsteht, mit Texten von Robert Walser. «Es gibt ja eingefleischte Walser-Fans und ich habe jetzt auch entdeckt, warum das so ist», sagt Schauspielleiterin Katharina Rupp. Der Bieler sei ein grossartiger Autor. «Wir möchten ihn vor allem auch jüngeren Generationen wieder näher bringen.»

Das Orchester lädt das Publikum zu gedanklichen Reisen ein, von Paris über Wien bis Russland. Und schliesslich sind auch wieder drei Tanzproduktionen im Programm von Theater Orchester Biel Solothurn. Das Publikum beim Tanz sei in den letzten beiden Saisons stark gewachsen, sagt TOBS-Intendant Dieter Kaegi.

Beitrag ans Sparen erwartet

Erst vor ein paar Tagen ging ein Sparvorschlag an TOBS vorbei, den der Bieler Kulturdirektor Cédric Némitz vorgeschlagen hatte: Das Sinfonieorchester in seiner heutigen Form aufzulösen und die Musiker nur noch projektweise anzustellen. Im Lauf der Debatte im Stadtrat hat Némitz den Vorschlag selber zurückgezogen. Doch das Sparbedürfnis in der Stadt Biel bleibt.

«  Ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen finden werden. »

Dieter Kaegi
Intendant TOBS

Darum dürfte die Politik - mit Blick auf die Budgetdebatte im Herbst - von der TOBS-Leitung nun Vorschläge erwarten, wie sie einen Beitrag leisten könnte, um die angespannten Stadtfinanzen zu entlasten.

Intendant Dieter Kaegi sagt dazu: «Wenn es ums Sparen geht, sind wir am Ende unserer Gedanken angelangt.» Löhne und Betriebskosten seien bereits tief. Darum könne es nur darum gehen, mehr Einnahmen zu generieren. «Wir sind daran zu schauen, wie wir wirtschaftlicher sein, mehr Publikum erreichen und weitere Geldquellen finden können.» Wie genau das funktionieren soll, kann er noch nicht sagen. Doch: «Ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen finden werden.»

«  Kultur ist mehr als ein ‹nice to have› der Oberschicht. »

Kaspar Zehnder
Direktor Konzerte TOBS

Für den Orchesterleiter Kaspar Zehnder liegt die Zukunft möglicherweise in einer stärkeren Verbindung der Kultur mit dem Sozialen: «Wir müssen zeigen, dass die Kultur nicht nur ein ‹nice to have› einer gesellschaftlichen Oberschicht ist, sondern durchaus eine Stütze der Gesellschaft.» Kultur könne nicht ohne das Soziale und das Soziale nicht ohne die Wirtschaft funktionieren. Diese drei Pfeiler müssten zusammenarbeiten. «Das ist gerade in einer Stadt wie Biel mit einem hohen Ausländeranteil und finanziellen Schwierigkeiten ganz wichtig.»

In diesem Bereich sieht Zehnder auch eine Antwort auf den Spardruck von Seiten der Politik: «Wir müssen im soziokulturellen Bereich nach einer Erweiterung unseres Tätigkeitsgebiets suchen.» So könnte man unter Umständen auch an andere Finanzierungstöpfe kommen.

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