Kultur- und Kongresszentren und die Krux mit dem Geld

Städte haben Kultur- und Kongresszentren, weil diese zum Grundangebot für Vereine, Veranstalter und die Kulturszene gehören. Aber diese Benutzer können die Kosten nicht alleine bezahlen. Ohne Geld von der öffentlichen Hand geht es nicht. Thun ist das aktuellste Beispiel.

In der ersten Juli-Woche kämpfte das Thuner Stadtparlament mit widersprüchlichen Regungen: Wieder 2,5 Millionen Franken Betriebsbeiträge bis 2019 für das Kultur- und Kongress-Zentrum Thun (KKThun).

Auf der anderen Seite weiss der Rat um den Nutzen und die Leistungen des Zentrums für die Stadt. Trotzdem ist es viel Geld für eine städtische Einrichtung, auch wenn sie das Stimmvolk und das Parlament vor ein paar Jahren klar gutgeheissen hat. Dass Thun eine zeitgemässe Veranstaltungsinfrastruktur braucht, war mehrheitlich unbestritten.

Aber man fragte sich nicht zum ersten Mal, ob der Betrieb des KKThun nicht doch etwas günstiger zu haben wäre. 2017 wird das Betriebs-Mandat wohl neu ausgeschrieben.

Überall ist öffentliches Geld im Spiel

Was in Thun abläuft, ist beispielhaft für viele andere Zentren und Gemeinden. Wer ein attraktives Kultur- und Veranstaltungsangebot will, bekommt es nirgends ohne Geld von der öffentliche Hand. «Ja, es ist ein politischer Entscheid, was wir wollen und was wir dafür zu zahlen bereit sind», sagt der Thuner Stadtpräsident und Finanzdirektor Raphael Lanz. Die gleiche Frage stellt man sich in Biel und in Burgdorf, in Visp oder in Freiburg. Die Gemeinwesen schiessen überall Millionen ein, wenn auch in unterschiedlichsten Formen.

«  Ein rentabler Kultur-Betrieb ist nicht möglich. »

Rolf Glauser
Verwaltungsratspräsident KKThun

Die Ansprüche sind unbestritten. Aber wenn es darum geht, wer bezahlt, scheiden sich zuweilen die Geister. Und so ist die Situation der Thuner Betriebsgesellschaft KKThun AG ebenfalls typisch für andere Zentren. Das Unternehmen hat gar kein Problem damit, sich einer allfälligen Konkurrenz zu stellen.

Aber Verwaltungsratspräsident Rolf Glauser gibt zu bedenken: «Ich kenne kein vergleichbares Kulturzentrum, das ohne öffentliche Hilfe auskommt. Ein rentabler oder zumindest selbsttragender Betrieb ist nicht möglich.»

Denn jeder Anlass ist massgeschneidert. «Wir haben einen leeren Saal, der nach den Bedürfnissen eingerichtet wird. So war es gedacht. Aber es kostet halt mehr als ein Hotelsaal mit Bühne», sagt Rolf Glauser.

Marktwirtschaft und Kulturförderung kommen sich in die Quere

Das hat damit zu tun, dass viele Kulturveranstalter finanziell nicht in der Lage sind, betriebswirtschaftlich gerechnete Mieten der Zentren zu bezahlen, selbst wenn die Anlässe voll ausgebucht wären. Und mit Gastronomie zum Beispiel lässt sich das Manko nicht ausgleichen. Betriebswirtschaftliche Kostenwahrheit und Kulturförderung schliessen sich gegenseitig aus.

Aus diesem Grund sponsert die Stadt Thun eine Auswahl der wichtigsten lokalen Kulturvereine mit jährlich 100‘000 Franken, damit diese das Kultur- und Kongresszentrum überhaupt nutzen können.

Überall fliesst Steuergeld

Von Biel bis Burgdorf, von Thun bis Freiburg, von Visp bis Langenthal ist viel öffentliches Geld im Spiel. Aber der Vergleich ist schwierig, weil die Verhältnisse überall anders sind. Oft stecken die Gemeinden als Eigentümer Millionen in Unterhalt, Löhne und Betriebskosten. Oder sie sponsoren ihre Zentren indirekt via Beiträge an die Veranstalter.