Leere Wohnungen: «Es wurde zu viel gebaut»

Im Kanton Bern stehen derzeit über 80 Prozent mehr Mietwohnungen leer als vor noch zehn Jahren. Im Wallis sind es sogar 86 Prozent. Immobilienexperte Donato Scognamiglio sagt, es sei in der Schweiz zu viel gebaut worden.

Schild «Loft - Terrasse 28 m2» vor einer Siedlung in Stettlen (BE)

Bildlegende: Mit Immobilien kann Geld Rendite bringen – wenn diese auch verkauft oder vermietet werden können. Keystone

Trotz Bevölkerungswachstum: Es stehen heute viel mehr Wohnungen leer als vor zehn Jahren. Schweizweit waren es gemäss Bundesamt für Statistik am Stichtag 1. Juni dieses Jahres 56’518 oder 1,3 Prozent aller Wohnungen inklusive Einfamilienhäuser. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 5436 Wohnungen mehr, was einem Anstieg um 11 Prozent entspricht.

«Man weiss nicht, wohin mit dem Geld. Darum wird sehr viel in den Bau von Immobilien investiert», sagt Donato Scognamiglio, Dozent an der Universität Bern und Geschäftsführer einer Firma für Immobiliendienstleistungen. Tendenziell sei zu viel gebaut worden: «Der Leerwohnungsbestand ist heute so hoch wie zuletzt 1998.»

Agglomerationen und das Wallis

In den Städten merkt man wenig vom Bauboom: «Da gibt es kaum mehr Bauland», sagt Donato Scognamiglio. Darum werde vor allem in den Agglomerationen gebaut. «Zum Teil an Lagen, wo die Wohnungen schliesslich nicht so gut vermietet werden können.» Auch im Wallis wurde in den letzten Jahren viel gebaut – mehr, als nachgefragt wurde: «Aufgrund der Zweiwohnungsinitiative wollte man noch Fakten schaffen. Die Bevölkerung hingegen ist nicht so stark gewachsen wie die Anzahl Wohnungen.»

Gebaut wird wohl auch weiterhin, trotz höherem Leerwohnungsbestand. «Was ist die Alternative?», fragt Donato Scognamiglio. Gerade Pensionskassen müssten die Renten irgendwo anlegen. «Trotz leeren Wohnungen gibt es bei Immobilien noch eine Rendite von etwa 4 Prozent.» Und schliesslich ist die Leerwohnungsziffer im Vergleich mit andern Ländern immer noch eher tief: Im Kanton Bern standen Anfang Juni 2016 1,69 Prozent von allen Wohnungen leer, im Kanton Freiburg 1,24 Prozent und im Wallis 1,81 Prozent.

Kantonale Zahlen BE FR VS

Entwicklung bei den Mietobjekten


2006
2016Veränderung
BE
4450
8045
+ 81 %
FR965
1461
+ 51 %
VS1526
2838
+ 86 %

Entwicklung bei den Kaufobjekten


2006
2016
Veränderung
BE882
1264
+ 43 %
FR244
302
+ 24 %
VS1046
1590
+ 52 %

(Angaben ohne Gewähr; Quelle Bundesamt für Statistik, Tabelle «Leer stehende Wohnungen zu vermieten oder zu verkaufen am 1. Juni, nach Kantonen»)

Gegenläufig ist die Entwicklung im Wallis zwischen 2015 und 2016: Da hat der Bestand an Mietwohnungen um 6 Prozent abgenommen, derjenige an Kaufobjekten um 12 Prozent. In den Kantonen Bern und Freiburg haben die Leerwohnungen auch im Vergleich zum Vorjahr zugenommen.