Lieber mehr Herzblut als blutleere Werbesprüche

Im Jubiläumsjahr 2015 betreiben die Walliser viel Werbung in eigener Sache. Das stösst bei der Sachbuchautorin und Wallis-Kennerin Claudia Schnieper nicht nur auf Gegenliebe.

Claudia Schnieper steht vor ihrem Haus, im Hintergrund Berge.

Bildlegende: Die Luzerner Autorin Claudia Schnieper vor ihrem Haus oberhalb von Sitten. SRF

Seit zehn Jahren lebt die Luzernerin Claudia Schnieper oberhalb der Walliser Kantonshauptstadt Sitten. Sie hat sich sehr intensiv mit dem Wallis und seinen Bewohnern beschäftigt und vor zwei Jahren ein Handbuch herausgegeben: «Das Wallis für Anfänger».

In diesem Jahr feiert der Kanton Wallis, dass er seit 200 Jahren zur Eidgenossenschaft gehört. Die Wahlwalliserin sieht die Festlichkeiten zwiespältig.

Die kulturellen Anlässe könnten durchaus dazu beitragen, dass die «Üsserschwizer» die Walliser besser verstehen. Weniger sympathisch findet sie die Werbung mit dem Slogan «Ins Herz gemeisselt». «Da wäre mir lieber, wenn die Walliser die Gäste mit etwas mehr Herzblut betreuen würden», sagt Claudia Schnieper.

Der Mythos Raclette

Allgemein sei das Verhältnis der Walliser zu den «Üsserschwizern» gut. Auch wenn es durchaus Walliser Eigenheiten gebe, die nicht so leicht zu verstehen seien, etwa die Raclette-Tradition: «Bei uns ist das einfach Käse mit Kartoffeln. Im Wallis ist das schon fast ein Mythos.»

Als problematischer betrachtet Claudia Schnieper das Verhältnis zwischen den beiden Sprachregionen im Kanton: «Ich habe hier in Sitten Leute kennen gelernt, die waren noch fast nie im Oberwallis.»