Lyss und sein Zentrumsverkehr: Langsamer ist wohl besser

Die Kantonsstrasse Bern-Biel führt quer durch das Zentrum von Lyss - mit allen Nachteilen. Jetzt wollen die Gemeinde Lyss und der Kanton Bern diese Hauptverkehrsachse sicherer machen. Vor allem mit Tempo 30. Die Zustimmung in der Bevölkerung ist erstaunlich hoch.

Ein Verkehrs-Kreisel im Zentrum der Gemeinde Lyss

Bildlegende: Das Zentrum in Lyss mit der Kantonsstrasse. Tempo 30 soll die Hauptverkehrsachse sicherer machen. google street view

Gemeinde und Kanton erwägen, die Hauptstrasse im Zentrum von Lyss mit Tempo 30 zu entschleunigen. Gleichzeitig würden Fussgängerstreifen und Ampeln entfernt. Autos, Velos und Fussgänger müssten also überall nebeneinander vorbeikommen - was die Attraktivität erhöhe, weil die Hauptstrasse durchlässiger werde. In der unmittelbaren Nachbarschaft ist eine Begegnungszone vorgesehen. Die Parkplätze bleiben, werden der Sicherheit zuliebe aber etwas umgemodelt.

Erstaunlich hohe Zustimmung

Dieses Modell, in Köniz seit Jahren praktiziert und in anderen Gemeinden stark umstritten, fand in der Lysser Bevölkerung und beim Gewerbe eine erstaunlich hohe Zustimmung.

Fragen gibt es allerdings schon noch. Zum Beispiel, ob es Sinn macht, neben Tempo 30 auf der Hauptverkehrsachse eine Begegnungszone mit Tempo 20 einzurichten.

Oder ob man mit dem neuen Regime nicht die Kinder auf dem Schulweg in Gefahr bringe. «Solche Vorbehalte müssen wir genau anschauen und plausible Antworten finden», verspricht der zuständige Gemeinderat Rolf Christen.

Verkehrszusammenbruch vorprogrammiert?

Skeptiker befürchten allerdings, dass mit dem neuen Verkehrsregime und dem tieferen Tempo der Zentrumsverkehr zusammenbricht. «In den Hauptverkehrszeiten kommt der Verkehr ohnehin zum Erliegen, auch wenn man mit 50 km/h fahren dürfte. Wir rechnen damit, dass sich die Sache eher beruhigt und verstetigt», so die Antwort von Rolf Christen.

Die offenen Fragen und Vorbehalte wollen Gemeinde und Kanton nochmals prüfen und allenfalls berücksichtigen. Danach kann sich die Lysser Bevölkerung nochmals dazu äussern.