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Bern Freiburg Wallis Mäzenin Ursula Streit: «Ich verfechte Toleranz und Verständnis»

Sie ist die Frau hinter dem Haus der Religionen und der geplanten Forschungsstelle zum Gurlitt-Erbe in Bern. Ursula Streit tritt mit ihrer Stiftung dann auf, wenn andere zögern. Und sie hilft auch im Kleinen.

Ursula Streit im Studio
Legende: Ursula Streit hat mit ihrem Verlag gut gewirtschaftet, jetzt setzt sie ihr Geld als Mäzenin ein. Thomas Pressmann/SRF

Mit fast drei Millionen Franken Anschubfinanzierung machte Ursula Streit das Haus der Religionen im Berner Westen möglich. Damit unterstützte sie ein Projekt, das von anderen Geldgebern gemieden wurde. «Unsere Stiftung ist unorthodox und schnell. Wir wollen das Geld ausgeben – und das Haus der Religionen ist ein wichtiges Projekt», sagt Ursula Streit als Sonntagsgast im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis».

Andere Stiftungen seien sehr bürokratisch und viele hätten mit dem Thema Religion Berührungsängste. «Ich bin nicht religiös. Aber hier geht es auch um Integration, Toleranz und Verständnis. Das will ich fördern», meint Ursula Streit.

Fall Gurlitt für Bern eine Nummer zu gross

Der Stiftungszweck der Rudolf und Ursula Streit Stiftung ist breit formuliert, absichtlich. Und so sagte Ursula Streit auch zu, als es um die mögliche Finanzierung der Berner Forschungsstelle rund um das Erbe des umstrittenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ging. «Ich finde das Kunstmuseum Bern eine hervorragende Institution. Aber dieser Fall ist für ein solches Museum eine Nummer zu gross, was die Finanzen angeht.» Deshalb wolle sie helfen, auch der Region Bern zuliebe. Der Fall Gurlitt ist zurzeit jedoch wegen eines Erbstreits Sache der Juristen und nicht der Kunst-Forscher.

In der Schweiz sieht man die Armut oft nicht. Aber es gibt eine Menge Bedürftige.
Autor: Ursula Streit

Die Mäzenin engagiert sich aber nicht nur im grossen Stil. Die Stiftung investiert auch viel Zeit in die Unterstützung von kleinen Projekten und Einzelpersonen. «Ein Sprachkurs oder ein Generalabonnement kann einer Person oft helfen, wieder Fuss zu fassen», sagt Ursula Streit. Sie habe mit dieser Art von Unterstützung bisher nur gute Erfahrungen gemacht. «In der Schweiz sieht man die Armut oft nicht. Aber es gibt eine Menge Bedürftige. Viel mehr als man denkt.»

Ursula Streit will ihr Geld einsetzen und Leuten helfen. Das betont sie stark. Davon zeugt auch, dass das Stiftungsvermögen nach ihrem Tod in zehn Jahren aufgebraucht werden muss.

Ursula Streit, die Fechterin

Wenn man den Charakter von Ursula Streit verstehen will, dann hilft auch diese biografische Information: Ursula Streit ist passionierte Fechterin und sie war auch Präsidentin des Fechtverbandes. Auf die Frage, was sie denn verfechte, sagt sie: «Toleranz und Verständnis – und Humor.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)

Berner Mäzenin

Ursula Streit (*1940) wuchs im Deutschen Fulda auf und heiratete später den mittlerweile verstorbenen Berner Verleger Rudolf Streit. Mit ihm führte sie den Scherz-Verlag und verkaufte diesen schliesslich. 1999 gründeten die beiden die Rudolf und Ursula Streit Stiftung.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    Dem beispielhaften Handeln dieser Frau Ursula Streit gehört mein voller Respekt; ich ziehe den Hut und wünsche ihr alles Gute!
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler, Langenthal
    Eine Wohltat, diese angstfreie Haltung gegenüber dem Geld. Da stehen wohl jedem Geldbesitzer die Haare zu Berge, wenn da plötzlich nichts mehr da wäre. Im Ego-System muss jeder für sich sorgen, dass für alle gesorgt wäre - was natürlich in die soziale Katastrophe führt, wie der Alltag und die Geldverteilung 1:99 zeigen. Altruismus als notwendiges Zukunftsmodell liegt falsch etikettiert als "Sozialismus" im Keller der Vorurteile. - Erst die Not im sozialen Trümmerfeld und dann zur Tugend??
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