«Manche Städter haben gegenüber dem Wald eine Bambi-Mentalität»

Werden Bäume gefällt, gibt es in Städten oft emotionale Proteste, ein aktuelles Beispiel ist in Bern. Aber geholzt wird nicht zuviel, sondern zu wenig.

Oberförster Philipp Mösch steht am Rand eines Waldes, hinter ihm gestapelte Baumstrünke.

Bildlegende: Gespräch am Waldrand: Oberförster Philipp Mösch bei einem kleinen Wald in Niederwangen. SRF

Berner Leserbriefschreibern blutet das Herz, weil im Quartier Wyler derzeit zünftig geholzt wird. Am Wegrand werden gleich mehrere Meter breit Bäume gefällt.

Emotionale Reaktionen auf Holzschläge gebe es fast nur in Städten und Agglomerationen, sagt Philipp Mösch. Er ist als kantonaler Oberförster zuständig für das Gebiet Bern-Gantrisch. Auf dem Land hätten viele Menschen noch einen direkten Bezug zur Waldarbeit. In der Stadt hingegen hätten manche Leute eine grosse Distanz zum natürlichen Ablauf im Wald. Und die falsche Vorstellung, die Natur sei einfach lieblich und schön.

Die Sicherheit auf Strassen am Waldrand ist ein Grund, warum Bäume gefällt werden. Bei Kantonsstrassen ist der Kanton dafür zuständig. Bei Gemeindestrassen gibt es laut Philipp Mösch keine klare Regelung zur Zuständigkeit. Da sei die Sorgfaltspflicht des Waldbesitzers ein Thema.

Es gebe im Kanton Bern keine Waldbesitzer, welche aus lauter Vorsicht zu viel holzten. Im Gegenteil: «Grundsätzlich wird eher zu wenig geholzt, die Vorräte in den Wäldern nehmen zu.»

Dass im Beispiel des Berner Wylerquartiers gleich ein mehrere Meter breiter Streifen neben der Strasse abgeholzt wird, dafür sieht der kantonale Oberförster mehrere Gründe: vorab die Sicherheit auf der Strasse. Dazu der grosse Aufwand, wenn über mehrere Jahre immer wieder kleinere Arbeiten anfallen. Man könne im Wald nicht «gärtnern», in solchen Fällen müsse ein Holzschlag her.

Zudem begrüsse es der Kanton, wenn die Waldränder möglichst stufig gehalten würden, so dass zuvorderst nicht eine hohe Wand steht.