Manuschak Karnusian: Auf den Spuren ihrer armenischen Wurzeln

«Unsere Wurzeln, unser Leben», so heisst das Buch der Pfarrerstochter aus Gstaad. Die 12 Portraits von armenischstämmigen Schweizerinnen und Schweizern sind eine intensive Spurensuche in der Geschichte des armenischen Volks. Es ist auch die Geschichte der Familie Karnusian.

Manuschak Karnusian im Radiostudio Bern

Bildlegende: Manuschak Karnusian: «Es ist wichtig, seine Wurzeln zu kennen.» Joël Hafner/SRF

Eigentlich hätte Manuschak Karnusian viel über das leidvolle Schicksal des armenischen Volkes und über ihre eigenen Wurzeln wissen können. Ihr Vater, der Gstaader Pfarrer James Karnusian (1926 - 1998), war eine zentrale, prägende Figur der internationalen armenischen Diaspora und ein Kämpfer dafür, dass die Massaker am armenischen Volk im Jahr 1915 als Völkermord bezeichnet werden.

Aber James Karnusian, 1926 in einem Beiruter Flüchtlingslager geboren, erzählte wenig. Er lehrte seinen Kindern weder die armenische Sprache, noch die Schrift. «Als unser Vater starb, kam es uns vor, als hätte er uns den Schlüssel zu seiner Kultur nicht gegeben. Aber vielleicht hat auch er nicht gewusst, was mit seinen Vorfahren passiert ist», erinnert sich Manuschak Karnusian, die heute in der Nähe von Bern lebt. Man redete nicht über die Vergangenheit und scheute sich auch, zu fragen.

Jahre später begann sie deshalb, die Lebensgeschichten von Armeniern in der Schweiz zu dokumentieren - und damit ihre eigenen Wurzeln zu ergründen. Die Wurzeln in einem Land mit einer christlichen-orthodoxen Kirche seit 1700 Jahren. Die Geschichte eines Landes, das immer wieder zum Spielball und zum Opfer der internationalen Politik wurde.

Die Geschichte wiederholt sich

Die heutige Republik Armenien im Kaukasus, bis 1991 eine Sowjetrepublik, ist viel kleiner als das historische Siedlungsgebiet der Armenier, das tief in die heutige Türkei und nach Syrien reichte. Heute sind dort Krisenherde und Kriegsgebiete.

«Die Geschichte wiederholt sich. Wieder geht es gegen die gleichen Bevölkerungsgruppen. Das Progrom von 1915 ist wichtig. Aber wir müssen auch heute hinschauen», sagt Manuschak Karnusian. Zurzeit leben etwa drei Millionen Menschen in Armenien, sieben Millionen gehören der Diaspora in aller Welt an. «Das Zusammengehörigkeitsgefühl rund um die Welt hat mich stark beeindruckt.»

Armenier ist man

«Ich habe gestaunt, wie stark auch junge armenischstämmige Schweizerinnen und Schweizer an ihrer Herkunft hangen, auch nach vier Generationen», bilanziert die Autorin die Frucht ihrer Arbeit. «Sie hat mir Boden gegeben. Ich bin Schweizerin, weiss jetzt aber, wo meine Wurzeln sind. Das ist wichtig und es hat mir die Welt aufgemacht.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)