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Meyer Burger geht nach China Kein gutes Signal für Schweizer Solar-Hightech

Legende: Video Kahlschlag bei Meyer Burger abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 02.11.2017.

Als «Hiobsbotschaft» betitelt der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz den Schliessungsentscheid der Produktionsabteilung der Firma Meyer Burger. Es sei nicht nur eine schlechte Nachricht für Thun, sondern auch für den Industriestandort Schweiz. Der Solartechnologie-Konzern Meyer Burger lanciert ein weitreichendes Kosteneffizienzprogramm.

Verschiedene Optimierungsmassnahmen

Das Kosteneffizienzprogramm beinhaltet folgendes:

  • Im Zuge der Anpassungen verlagert das Unternehmen die gesamte Produktion von Thun nach China. Andere Bereiche werden in Deutschland gefertigt.
  • In Thun bleiben Forschung und Entwicklung und die Konzernleitung.
  • Von den geplanten Massnahmen sind in Thun bis zu 180 Stellen betroffen.
  • Der Thuner Hauptsitz wird zu gross. Meyer Burger sucht neue Nutzungen.
Unsere Kostenstruktur ist deutlich zu hoch, um dem Wettbewerb in China standhalten zu können.
Autor: Hans BrändleCEO Meyer Burger

Der Grossteil der Kunden von Meyer Burger ist in China. Dort habe die Konkurrenz deutlich tiefere Kosten, sagt CEO Hans Brändle. Mit der Produktion in Thun seien die Kosten von Meyer Burger in China zu hoch.

Nicht der erste Abbau

Die Schliessung der Bereiche in Thun solle bis Ende 2018 abgeschlossen sein. «Wir werden die Leute unterstützen», sagt Hans Brändle. Es bestehe ein Sozialplan, ein Jobcenter werde eingerichtet. «Wir sind leider geübt mit Abbaumassnahmen am Standort Thun.» Tatsächlich hat der Konzern nach stürmischen Wachstumsjahren von 2002 bis ungefähr 2010 seine Belegschaft weltweit halbiert, bei den Aktionären neues Kapital geholt, Standorte geschlossen - und seit 2012 über 600 Millionen Franken Verlust gemacht.

Gewerkschaft fürchtet noch grösseren Abbau

Die Gewerkschaft Unia kritisiert den Entscheid der Unternehmensleitung, die Produktion von der Entwicklung und Forschung zu entkoppeln. Dies sei ein strategischer Fehler, denn beide Bereiche würden sich gegenseitig bedingen.Die Gewerkschaft befürchtet, dass der Massnahme bis zu 250 Stellen zum Opfer fallen könnten – inklusive Lernende und temporär Angestellte. Die Unia fordert von der Berner Kantonsregierung darum die Einsetzung einer Taskforce, damit möglichst viele Stellen in Thun erhalten werden können.

In Thun werden bislang Anlagen für die Wafer- und Modul-Prozesse sowie Applikationen für gebäudeintegrierte Photovoltaik hergestellt. Durch die Verlagerung nach China könnten flexiblere Kostenstrukturen, eine Reduktion der Lieferzeiten und -kosten und eine noch stärkere Kundennähe erreicht werden.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    So geht das immer - hier Steuerfrei und oft Subventioniert entwickeln - und in Billiglohnländern fertigen - ob das weiter gut geht ? Ob das weiter der Steuerzahler ausgleichen kann ? Wenn die Schweizer Entwickler an den Stückzahlen beteiligt wären dann würde der Handel Event noch gehen - aber das know how hier absaugen ist nicht der Sinn dieser derzeitigen Strategie .
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Der Schweizerfranken ist immer noch viel zu teuer. 1,16 SFr. für einen Euro ist nach wie vor unrealistisch. Erst wenn wir Kaufkraftparität erreichen, sind wir konkurrenzfähig in der Produktion. Bekannte Ökonomen sehen nur dann eine gesunde Entwicklung der Wechselkurse, wenn die Inflationsrate zwischen 1,5% und 2% liegt. Die Nationalbank müsste unsere Geldmenge gezielt erhöhen. Die Finanzierung eines Fonds für die langfristige Erhaltung der Infrastruktur wäre hierzu die beste Lösung.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Der Haken liegt hier ganz woanders: Firmen, die nur dank Subventionen existieren verteuern die Produktion der andern. Konkret: Meyer Burger profitierte von der KEV. Die KEV verteuert jedoch die Schweizer Produktion für andere Firmen massiv. Genau so demontiert man eine gesunde Volkswirtschaft: Mit subventionierten Firmen, die wie in der DDR von politischen Entscheiden abhängig sind..
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Ducrey, die KEV hat im gesamten schweizer Strommarkt eine komplett marginale Bedeutung. Wie Sie sich da zu Ihren Aussagen versteigen können bleibt unerklärlich. Die Schweizer Produktion ist teuer wegen der Boden- und Infrastrukturkosten, die aber durch Effizienz noch wettgemacht werden könnten, und am Ende wegen des Wechselkurses der spekulativ ca. 20+% von der Kaufkraftparität abweicht. Die AUfgabe des 1.20 Limits zeitigt die Folgen langsam!
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  • Kommentar von Walter Mathys (wmathy)
    Globalisierung ist zu vergleichen mit dem schwarzen Loch: Wer hinein geräht,wird gefressen. Der Mensch ist an Dummheit nicht zu übertreffen!!!! Gehöre auch zu dieser Spezies.....
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