Migros testet in Bern neues Gastronomiekonzept

Im Lokal namens «my way» können Kunden ihre Menus, Salate und Sandwiches selber zusammenstellen. Die Migros möchte sich damit im Take-Away-Markt neu positionieren, die lokalen Konkurrenten schauen skeptisch.

Theke mit Essen in der Auslage, Bedienung dahinter, Kunden davor, Kaffeemaschine. An der Wand der Schriftzug «inspiring food, freshly made».

Bildlegende: Läuft das neue Gastrokonzept in der Berner Altstadt, will es die Migros auch anderswo anwenden. SRF / Andreas Lüthi

Die Migros hat in der Berner Altstadt ein neues Lokal eröffnet. Es heisst «my way» und bietet rasch zubereitetes Essen zum Mitnehmen an. Man wolle sich aber mit dem neuen Lokal von den herkömmlichen Take-Away- und Fast-Food-Angeboten abheben, sagt Mario Runco, der bei der Migros Aare für Neuentwicklungen zuständig ist.

Bei «my way» kann die Kundschaft ihre Menus, ihre Salate oder ihre Sandwiches selber zusammenstellen. Alles wird frisch vor ihren Augen zubereitet und zudem werden alle paar Wochen neue Zutaten angeboten. Die Wahl hat die Kundschaft auch beim bezahlen - self-check-out oder an einer herkömmlichen Kasse. Schliesslich kann man das Essen entweder mitnehmen oder an einem Tischchen in der Spitalgass-Passage verzehren.

Mit dem neuen Konzept reagiert die Genossenschaft Migros Aare - die in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau geschäftet - auf Entwicklungen im Markt. Der Take-Away-Markt sei im Gebiet der Migros Aare in den letzten 5 Jahren um rund 7,5 Prozent gewachsen, bei der Migros sei dieser Bereich nur gerade um rund 1 Prozent grösser geworden. «Daher testen wir nun ein neues Format, das eventuell später die herkömmlichen Migros-Take-Aways ablöst», sagt Karl Neff, Gastroleiter der Migros Aare.

Trend Richtung individuell, frisch, lokal

Bettina Höchli, Forscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, spricht von einer Veränderung des Take-Away-Marktes. Herkömmlicher Fastfood mache die Leute nicht mehr glücklich. «Der Trend geht Richtung individuell, frisch und lokal», sagt sie. Es entstünden kleine, neue Take-Away-Angebote, die dieses Bedürfnis befriedigen können. Es sei klar, dass die Grossen auch in dieses Geschäft einsteigen wollten.

Die lokale Konkurrenz schaut derweil mit Interesse, aber auch mit Skepsis auf den Versuch der Migros. «Es ist interessant, wenn kompetente Leute in diesem Markt etwas Neues einfallen lassen», sagt Tobias Burkhalter von Gastro Bern. Aber es seien natürlich auch Ängste da, wenn die Migros mit ihrer Marktmacht etwas Neues ausprobiere.

Derweil hat es die Migros aber gar nicht auf die lokale Konkurrenz abgesehen. Mit ihrer Erneuerung des Take-Away-Bereichs will sie vor allem anderen Detailhändlern wie Coop und Lidl. Paroli bieten, die im Essensbereich ebenfalls aktiv sind.