Neu in der Psychiatrie Narkosemittel und Botox gegen Depressionen

Ketamin und Botox werden in der psychiatrischen Klinik in Bern gegen Depressionen eingesetzt – mit Erfolg.

Das Wichtigste zu Ketamin:

  • ist ein schmerzstillendes Narkosemittel
  • wird wegen seiner halluzinogenen Wirkung auch als Partydroge verwendet
  • wird in der Psychiatrie in kleinen Dosen intravenös verabreicht
  • wirkt bei manchen Patienten mit schweren Depressionen, die auf keine anderen Medikamente ansprechen
  • ist vergleichsweise günstig im Preis
Eine Packung Ketamin 10mg/ml

Bildlegende: Narkosemittel mit «erwünschter Nebenwirkung». SRF

Zufällig merkten Forscher bei einer Studie zu einem anderen Thema, dass Ketamin stimmungsaufhellend wirkt: «Die Probanden waren euphorisch, gut gelaunt, und das über mehrere Tage», erzählt Psychiater Gregor Hasler von den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD).

Unterdessen ist die Wirkung von Ketamin als Antidepressivum gut erforscht. An der UPD in Bern wird es seit knapp zwei Jahren angewendet.

Das Wichtigste zu Botox:

  • Botox lähmt auf der Stirn die Muskeln für Sorgenfalten
  • So fühlt man sich besser und soziale Kontakte werden einfacher
  • Die Wirkung dauert drei Monate, das Gesicht wird nicht entstellt
  • Auch Botox ist vergleichsweise günstig im Preis

Gregor Hasler erklärt, was man aus der Forschung weiss: «Wenn man die Gesichtsmuskeln leicht lähmt, welche für negative Gefühle zuständig sind, entwickelt man auch weniger negative Gefühle.»

Gregor Hasler im ambulanten Behandlungszimmer der UPD Bern.

Bildlegende: Psychiater Gregor Hasler würde Ketamin und Botox bei Bedarf auch bei sich selber anwenden. Elisa Häni/SRF

Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) bieten Botox gegen Depressionen seit etwa einem halben Jahr an, auch ambulant.

Grosse Nachfrage

Der Bedarf an neuen Therapien sei gross, sagt Hasler. Es gebe Menschen mit Depressionen, die auf keine der heutigen Mittel reagierten. «Wir müssen alles daran setzen, das Therapieangebot zu erweitern.»