Kanton Bern Neuer Regierungspräsident Bernhard Pulver setzt auf Dialog

Der grüne Regierungsrat und Erziehungsdirektor will in seinem Präsidialjahr Diskussionsforen initiieren und daraus eine gesamtkantonale Strategie entwickeln.

Bernhard Pulver

Bildlegende: Bernhard Pulver will in seinem Präsidialjahr versuchen, die Weichen für die Zukunft des Kantons Bern zu stellen. Christian Liechti/SRF

Der neue Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver will «Ressourcen stärken und Chancen packen», wie der Grünen-Politiker vor den Medien sagte.

In Diskussionsforen will er ausloten, welche Entwicklungspotenziale in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bestehen. Dabei sollen Bereiche definiert werden, die eine grosse Wertschöpfung bringen, Zukunftspotenzial haben und in denen Bern auf bestehende Stärken aufbauen kann.

Keine Liste mit Massnahmen

Ihm gehe es nicht darum, am Ende des Präsidialjahres eine umfassende Liste mit konkreten Massnahmen zu definieren, betonte Pulver. Das sei Aufgabe des Gesamtregierungsrats und des Parlaments. Mit dem initiierten Prozess solle aber die Denkarbeit rund um diese Strategiefrage gefördert werden. «Meine Rolle als Regierungspräsident ist es, den Leuten zuzuhören und sie bei diesem Prozess zu Beteiligten zu machen», sagt Pulver.

«  Ich kann nur den Prozess anstossen. Mehr Macht habe ich nicht. »

Bernhard Pulver
Regierungspräsident

Ihm ist auch klar, dass im Kanton Bern bereits zahlreiche Strategien bestehen. Zum Beispiel der kantonale Richtplan 2030, die Wirtschaftsstrategie 2025 oder die Legislaturziele der Kantonsregierung. «All diese Strategien sind wichtig für die Arbeit», so Pulver weiter, jetzt gehe es aber darum, die Flughöhe zu steigern und den grossen gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Wandel der nächsten Jahrzehnte anzugehen.

«Als Regierungspräsident kann ich nur den Anstoss zu diesem Prozess liefern, die wirtschaftliche Entwicklung entsteht später durch die Aktivität der Unternehmen.»

Wie gut kommt Pulvers Strategie an?

Pulvers Idee einer übergeordnete Strategie für den Kanton Bern löst unterschiedliche Reaktionen aus. Zum Beispiel bei SP-Grossrat Adrian Wüthrich, der auch als Vizepräsident der staatspolitischen Kommission amtet, und bei Paul Messerli, emeritierter Professor und Wirtschaftsgeograph.

Zwei Männer vor ihren Mikrofonen.

Bildlegende: Adrian Wüthrich (links) und Paul Messerli. SRF

Was Paul Messerli zu Pulvers Plänen sagt:

«Es ist schön, dass der Regierungspräsident eine solche Initiative ergreift. Aber: Es sind eigentlich schon genügend Strategien da, die man nur zu einem Ganzen zusammenführen müsste. Und: Der Ansatz des Regierungspräsidenten ist gegen aussen gerichtet, er geht auf alle zu, die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Politik. Es bräuchte aber einen Ansatz, der gegen innen gerichtet ist. Denn die strategische Führung in diesem Kanton ist ungenügend.»

Was SP-Grossrat Adrian Wüthrich zu Pulvers Plänen sagt:

«Regierungspräsident Bernhard Pulver lanciert genau das, was das Kantonsparlament schon lange fordert: Eine übergeordnete Strategie für den Kanton Bern, eine Idee, wo wir hinwollen in diesem Kanton. Durch die Rücktritte einzelner Regierungsmitglieder wird sich die Kantonsregierung im nächsten Jahr neu konstituieren. Deshalb ist es richtig, dem neuen Gremium dann eine solch übergeordnete Idee zu präsentieren.»