Neues Leben für den Gasthof Kreuz in Herzogenbuchsee

Viele Gemeinden haben Probleme mit den historischen Gasthöfen in ihren Zentren. Oft können sie kaum mehr rentabel betrieben werden, stehen leer oder werden zwischengenutzt. In Herzogenbuchsee gibt es nun Hoffnung für den Gasthof Kreuz. Ein junges, innovatives Team legt ein Konzept vor.

«Ein so überzeugendes Konzept gab es noch nie für das Kreuz», sagt Markus Loosli, der Gemeindepräsident von Herzogenbuchsee. Das ganze Gebäude werde von Keller bis in den Dachgiebel genutzt. Und das Team, welches das Kreuz übernehmen wolle, sei hochmotiviert und professionell am Werk. «Das ist eine grosse Chance für die Gemeinde.»

Der Gasthof Kreuz in Herzogenbuchsee ist seit langem ein Problem. Vor über zehn Jahren hat die Gemeinde das Gebäude gekauft. Die letzte Sanierungsvariante ist im Dezember 2013 an der Urne gescheitert. Sie sah vor, das Gebäude für 8,15 Millionen zu renovieren und danach unter anderem als Hotel für Langzeitgäste zu betreiben. Vieles war aber damals noch unklar, so auch, wer das Gebäude betreiben soll.

Kurz nach der Ablehnung hat das Team, das seit bald zehn Jahren erfolgreich das Kulturlokal «Altes Schlachthaus» in Herzogenbuchsee betreibt, sich für das Kreuz zu interessieren begonnen. «Wir wollten etwas grösseres anpacken, von dem einige von uns leben konnten», sagt Mitinitiant und Finanzchef Marc Guggenbühler.

Was nun an der Gemeindeversammlung am 17. Juni zur Abstimmung stehe, sei ein sehr kostenbewusstes, aber umfassendes Konzept für das Haus. Im Keller soll es ein Kulturraum und eine Bar geben, eine Art Nachfolge des alten Schlachthauses. Im Parterre sei ein gutes Speiserestaurant geplant, das Herzogenbuchsee derzeit fehle. Und im ersten und zweiten Stock soll es Hotelzimmer geben, die vor allem die lokalen Firmen für ihre Gäste wünschten. Im Dachstock schliesslich ist ein Bankettsaal geplant. Der Anbau werde an die Musikschule, Kindergärten und eine Behindertenwerkstätte vermietet.

Nur durch eine solche umfassende Nutzung könne man die Kosten decken, die der Betrieb dieses auf der nationalen Stufe denkmalgeschützten Hauses verursache, sagt Marc Guggenbühler. Auch beim Umbau sei man sehr kostenbewusst. Er liege mit 4,75 Millionen Franken weit unter den kosten des letzten Projektes. «Wir machen beim Umbau nur das Nötigste», sagt Guggenbühler.

Aktienzeichnung, Sponsoren, Steuergeld

Das Geld aufbringen wollen die Initianten über eine öffentliche Aktienzeichnung, Sponsoren und ein Darlehen der neuen Regionalpolitik. Die Gemeinde muss aber auch ihren Teil beitragen. «Anders geht das nicht», sagt Guggenbühler. So ist geplant, dass die Gemeinde zwei Millionen Franken an den Umbau bezahlt, den Betreibern den Baurechtszins erlässt und für die Kindergärten Miete bezahlt.

Zu diesem finanziellen Engagement der Gemeinde gab es Kritik aus den Reihen der SVP. «Wir befürchten, dass so jeder Private kommen und Geld verlangen kann.» Die SVP hat im Hinblick auf die Gemeindeversammlung vom 17. Juni Stimmfreigabe beschlossen, die übrigen Parteien unterstützen die Vorlage.

Denkmalpfleger: «Probleme wegen des Strukturwandels»

Probleme mit alten Gasthöfen gebe es in vielen Gemeinden, sagt Denkmalpfleger des Kantons Bern, Michael Gerber. «Wegen des Strukturwandels in der Gastronomie kann man diese grossen Gebilde nur mehr schlecht benutzen.» Das Konzept für das Kreuz Herzogenbuchsee beurteilt Gerber als vielversprechend.