Obdach geben aus politischem und persönlichem Bedürfnis

Am MäntigApéro kamen Menschen zu Wort, die sich für die Schwachen einsetzen. Ein Wirt, eine Gemeindepräsidentin und ein junger Mann, der Flüchtlingen WG-Zimmer vermittelt.

Peter Michel bietet Menschen ein Zuhause. Seine Beiz Casa Marcello ist schon lange in der Berner Aarbergergasse. «Wir sind eine Villa Kunterbunt.» Michel ist Gastgeber für alle, die durch seine Tür kommen.

«Ein Teller Spaghetti kostet bei uns 6 Franken 50», erklärt der Wirt im Gespräch mit Peter Brandenberger. «Wir sind keine Wohltäter, wir sind einfach genügsam.» Als Wohltäter will sich Peter Michel nicht verstanden haben. Er hilft, weil er will, nicht weil er jemandem etwas beweisen will. Ein Grund findet sich vielleicht in der Vergangenheit. Als Jugendlicher wurde Michel von den Grosseltern aufgezogen. «Ich fühlte mich oft ausgestossen. Aber gerade die Menschen am Rande der Gesellschaft haben mich aufgenommen.»

Eine Gemeinde hilft, trotz Gegenwehr

Christine Bär hilft an einem ganz anderen Ort. Sie ist Gemeindepräsidentin von Riggisberg und beheimatet in ihrer Gemeinde in der Zivilschutzanlage Flüchtlinge. «Manche Menschen in Riggisberg sind skeptisch.» Aber der Gemeinderat wollte seinen Teil in der aktuellen Flüchtlingssituation leisten.

«Wir haben uns Mühe gegeben, die kritischen Stimmen aufzufangen», erzählt Christine Bär. Der Gemeinderat habe viel Zeit investiert. Es fand sich auch eine gute Anzahl an Freiwilligen, die sich für die fremden Gäste engagierten. Als später in der Presse der Titel «Das Wunder von Riggisberg» stand, stieg das aber niemandem in den Kopf. «Ein Wunder wäre, wenn wir diese Situation gar nicht hätten und die Leute nicht flüchten müssten.»

WG-Zimmer für Flüchtlinge

Gian Andri Färber will Flüchtlingen helfen ein Heim zu finden. Er vermittelt freie WG-Zimmer: «Die WG-Kultur in der Schweiz ist stark.» Dieses Potential gelte es auszuschöpfen. Und das Projekt funktioniere: «Wir finden natürlich nicht für jede Person ein Zimmer, aber wenn sich eine WG meldet, dann klappt das.»

Es gehe darum die «Newcomer» zu integrieren, meint Färber. So sagen die Leute von «Wegeleben» den Flüchtlingen. «Die meisten der WGs sind jünger, aber wir hatten letztens auch ein älteres Ehepaar, dessen Kinder ausgezogen sind», erzählt Färber. Bis jetzt arbeiten 22 Wohngemeinschaften mit «Wegeleben» zusammen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32 Uhr