Pilzzüchter Tobias Furrer: Jetzt bauert er auf 280 Quadratmetern

Eigentlich wäre der Thuner Tobias Furrer gerne Bauer mit einem eigenem Hof geworden. Stattdessen hat der gelernte Landwirt, Agraringenieur und Berater an der Bergbauernschule Hondrich seine Nische gefunden: Er züchtet Speisepilze in der Thuner Schadaugärtnerei.

In den langen Beeten stecken Rundhölzer, mit grüner Abdeckung vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Eine Bewässerungsanlage befeuchtet die Anlage mit Wassernebel. Ein Deckel aus Moos auf den Holzstücken speichert die Feuchtigkeit. Aus diesen Dutzenden von Rundhölzern spriessen Pilze. Je nach Holz-Sorte gedeihen Austernseitlinge, Stockschwämme, der begehrte japanische Speisepilz Shiitake.

Der 45-jährige Landwirt und Ingenieur Agronom Tobias Furrer, der nicht Bauer werden konnte, hat neben seiner 90-Prozent-Stelle als Berater am landwirtschaftlichen Inforama Hondrich seinen Traum verwirklicht. Er ist doch noch Bauer geworden. Als Pilzfarmer auf 280 Quadratmetern Anbaufläche in der Schadaugärtnerei in Thun. Der Mietvertrag dauert bis Ende 2019. Furrer hofft, es möge danach weitergehen.

Vom Labor bis ins Holz: Der Werdegang eines Zuchtpilzes

Die Pilzzucht auf Holz braucht Sorgfalt, Zeit und Geduld. Zuerst züchtet Tobias Furrer das Pilzgeflecht auf einer Nährlösung in seinem kleinen Labor. Dieses Geflecht wird danach sterilen Getreidekörnern beigegeben. Diese Körner, abgefüllt in keimfreien PET-Getränkeflaschen, vermischt Tobias Furrer mit ausgekochten Dübeln aus Holz. Diese Dübel, mittlerweile vom Pilzgeflecht überzogen, schlägt er danach in Hunderte von Löchern, die er in Rundhölzer gebohrt hat.

«  Von der Pilzzucht könnten wir nie leben. »

Tobias Furrer
Pilzzüchter und Berater

Auch das Holz schlägt er im Wald selber. Denn seine Pilzzucht auf Holz funktioniert erst, wenn die gefällten Bäume nach Wochen ihre natürliche Abwehr gegen Pilzbefall verloren haben. Erst danach breitet sich der mit den Dübeln «eingeimpfte» Pilz in diesem Rundholz aus. Nach Monaten lassen sich die Pilze mehrmals im Jahr ernten, immer wieder, bis das Holzstück nach etwa zwei Jahren völlig ausgelaugt ist.

Ein Familienbetrieb für ein «bezahltes Hobby»

Tobias Furrer kümmert sich mit Hingabe um seine Pilzzucht. Er hat dafür zusammen mit seiner Frau die Pilzland GmbH gegründet. Denn der kleine Betrieb gilt als landwirtschaftlicher Nebenerwerb. Etwa 400 Kilo Pilze erntet die Familie pro Jahr, dazu macht Tobias Furrer Kurse und Anlässe. «Leben könnten wir nie davon. Es ist ein bezahltes Hobby», schmunzelt er. Aber viele Privatkunden und ein paar Gastronomen haben seine Pilze entdeckt. Ein weiteres Produkt aus der Region.

Den Pilzsammlern, die im Herbst in die Wälder ausschwärmen, kommt Tobias Furrer übrigens nicht in die Quere. «Steinpilze und Eierschwämme brauchen eine lebendige Umgebung, einen lebenden Baum, damit sie überhaupt gedeihen. Da ist mit totem Holz nichts zu machen».

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)