Regionalkonferenz: Gemeinde Linden sucht sich eine neue Heimat

Die kleine Landgemeinde Linden oberhalb von Oberdiessbach will raus aus der Regionalkonferenz Bern-Mittelland und aus dem Verwaltungskreis Bern. Sie fühlt sich hier nicht vertreten und erwägt einen Anschluss an die Region Thun. Linden steht mit dieser Absicht nicht alleine da.

«Wir stellen die Regionalkonferenz nicht grundsätzlich in Frage und kosten tut es überall etwas», stellt Lindens Gemeindratspräsident Robert Schlapbach klar. «Aber in der Regionalkonferenz Bern-Mittelland sind wir am falschen Ort. Sie regelt Probleme einer Agglomeration, die nicht die unseren sind. Unsere Anliegen interessiert sie nicht.» Dass Linden nun 9'000 Franken Kulturbeiträge nach Bern schicken muss, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

«  In der Regionalkonferenz Bern-Mittelland treffen Welten aufeinander, die nicht zusammen passen »

Robert Schlapbach
Gemeinderatspräsident von Linden

Deshalb: Weg von Bern, hin zu Thun. Da gibt's zwar noch keine Regionalkonferenz, sondern den Entwicklungsraum Region Thun. Die Beziehungen von Linden in die Region Thun sind traditionellerweise vielfältig. Postleitzahl, Einkauf, Ausbildung, die Hälfte der Lindener Pendler fahren Richtung Oberland, der Bus kommt vom Thuner Verkehrsunternehmen STI.

Klarer Auftrag der Bevölkerung

Eine Gemeindeversammlung Anfang Juni in Linden teilte diese Einschätzung des Gemeinderats. 38 von 39 Stimmen sprachen sich in einer konsultativen Abstimmung dafür aus, den Anschluss in Thun zu suchen. Eine Umfrage im Dorf zeigt denn auch, dass die Bevölkerung vorab den Eindruck hat, im Verein der grossen Mittelland-Gemeinden keinen Hauch einer Chance zu haben. Wenn sich die Agglogemeinden und die Stadt Bern zusammentun, können sie den Rest tatsächlich leicht überstimmen.

Die Region bröckelt am Rand in einem spannenden Moment

Linden steht mit seinen Trennungsabsichten nicht alleine da. Bowil, zum Beispiel, erwägt ernsthaft, sich der Regionalkonferenz Emmental anzuschliessen. Aber Linden hat's jetzt mal gesagt und darüber abgestimmt.

Der Zeitpunkt ist brisant: 2016 gibt es die Regionalkonferenz Bern-Mittelland fünf Jahre und vorgesehen ist eine Überprüfung des riesigen Gebildes mit 85 Gemeinden und einem Drittel der Kantonsbevölkerung.

«  Wenn im Jahr 2016 diese Regionalkonferenz überprüft wird, können wir über den Wechsel einzelner Gemeinden reden »

Christoph Neuhaus
Bernischer Regierungsrat und Gemeindedirektor

«Linden steht nicht alleine da mit seinem Wunsch nach einem Wechsel», sagt Regierungsrat Christoph Neuhaus. «Im Jahr 2016, wenn wir die ganze Strategie überprüfen, können wir auch über solche Anliegen reden.» Einen Dammbruch und einen Lindener «Dominoeffekt» erwartet er allerdings nicht. «Einige Gemeinden am Rand werden sicher gehen. Die Region Bern-Mittelland ist ja tatsächlich sehr gross.» Letztlich gehe es darum, sich als Gemeinde dort anzusiedeln, wo die gesellschaftlichen und die wirtschaftlichen Beziehungen den Alltag prägen.

«  Es stimmt nicht, dass die Stadt und die Agglo Bern das Land dominiert. Wenn es dem Zentrum gut geht, profitieren alle »

Ruedi Flückiger
Präsident Regionalkonferenz Bern-Mittelland und Gemeindepräsident von Schwarzenburg

Für Ruedi Flückiger, Präsident der Regionalkonferenz Bern-Mittelland und Gemeindepräsident von Schwarzenburg steht fest, dass es an den Rändern seiner Region Veränderungen geben wird - aber nicht im grossen Stil. «Viele Landgemeinden sind durchaus wohl in diesem Kreis.» Der Vorbehalt, das Gebilde sei viel zu zentrumslastig, kennt Ruedi Flückiger schon - und gibt zu bedenken: «Wenn es dem Zentrum gut geht, dann geht's auch dem Land gut.»

Politisches Kräftemessen um Einfluss und Stimmkraft

Für einen Wechsel müsste der Grosse Rat allerdings das Gesetz anpassen. Eine Motion von Lars Guggisberg, Daniel Bichsel (beide SVP) und Hans Rudolf Vogt (FDP) verlangt bereits, dass die kleinen und ländlichen Regionsgemeinden mehr Stimmkraft zugesprochen erhalten, um die Dominanz von Stadt und Agglo etwas zu mildern. Motionär Hans Rudolf Vogt ist übrigens nicht nur Gemeindepräsident von Oberdiessbach, sondern auch Vizepräsident der Regionalkonferenz Bern-Mittelland.