Rückkehr des Quartierladens

Der Grossverteiler Migros besinnt sich wieder auf den Quartierladen. Ab Juni testet er im Berner Schosshaldequartier einen Mini-Quartierladen. Damit kommt er den Bedürfnissen der Stadt und einer jungen, urbanen Kundschaft entgegen.

Verschaltes ladenlokal im Erdgeschoss eines Wohblockes mit der Aufschrift «Voi»

Bildlegende: Ab Juni testet die Migros an der Schosshaldestrasse in Bern einen Kleinst-Supermarkt. Andreas Lüthi / SRF

In den letzten Jahrzehnten sind viele kleine Migros-Filialen in Quartieren geschlossen worden. Im Jahr 2007 hat der Grossverteiler Migros dann das Voi-Laden-Konzept lanciert. Ein Franchisenehmer betreibt auf eigenes Risiko einen Quartier- oder Dorfladen und bietet da nebst Migros-Produkten auch Alkohol, Zigaretten, Heftli oder regionale Produkte an.

Nun will die Migros ab Juni an der Schosshaldestrasse 16 in Bern eine Mini-Version dieses Konzepts testen. «Wir haben gemerkt, dass viele kleine Ladenlokale auf dem Immobilienmarkt sind», sagt Migros-Sprecherin Andrea Bauer. Daher habe man das ursprüngliche Voi-Konzept so geschrumpft, dass es auch in Ladenlokalen mit etwa 250 Quadratmetern realisierbar sei.

Wenn der Versuch in der Schosshalde funktioniert, will die Migros mit den Kleinläden in weitere Quartiere gehen und so noch näher an die Kundschaft rücken.

In der Schosshalde sind viele Lädeli gestorben. Wacker gehalten hat sich jedoch der Obstberg-Beck. Mitinhaber Ueli Roth schaut gespannt auf den Auftritt des Voi. «Für das Quartier ist ein neuer Laden positiv», sagt Roth. Ob er eine Konkurrenz sei, das werde sich mit dem Sortiment zeigen. Roth beobachtet in den letzten ein, zwei Jahren, dass vermehrt wieder junge Kundschaft in seinen Laden komme. Insofern trifft die Voi-Filiale einen Nerv der Zeit.

«  «Die Stadt begrüsst es, wenn Läden wieder näher an die Kundschaft rücken» »

Mark Werren
Stadtplaner

Der Berner Stadtplaner Mark Werren bestätigt den Trend. Es sei eine sogenannte Re-Urbanisierung zu beobachten, viele junge Leute zögen in die Stadt. Und es sei auch für das Stadtleben positiv, wenn es wieder mehr Quartierläden gebe.

Tante Emma als Vorbild

«Es findet eine Rückbesinnung statt auf die Stärken des guten alten Tante-Emma-Ladens», sagt Martina Kühne vom Gottlieb Duttweiler Institut. Und diese Stärken lägen in der geografischen Nähe, der Erreichbarkeit mit Velo oder zu Fuss. Sie lägen aber auch in der emotionalen Nähe - dass in einem Laden eben wieder ein Schwatz mit Nachbarn möglich sei.