Scherenschnitte können süchtig machen: Besuch im Simmental

Wenn er nicht gerade kocht, schneidet Hans-Jürgen Glatz an seinen filigranen Werken. Daneben pflegt er ein Archiv - und er ist ein gefragter Experte: Fälschungen alter Scherenschnitte erkennt er sofort.

Hans-Jürgen Glatz mit einem fast fertigen Scherenschnitt vor sich auf dem Tisch.

Bildlegende: Daran hat er bereits 80 Stunden gearbeitet: Hans-Jürgen Glatz in seinem Scherenschnitt-Raum. SRF

Es begann in einer Arbeitspause des Chefkochs Hans-Jürgen Glatz: Seine Frau drückte ihm eine Schere und ein Stück Papier in die Hand, er schnipselte herum - da war es um ihn geschehen. Seither nutzt der stämmige Mann jede freie Minute für seine Leidenschaft, den Scherenschnitt.

«Man braucht eine ruhige Hand und viel Geduld», sagt Hans-Jürgen Glatz. Wenn er sich täglich zwei Stunden Zeit nimmt, schafft er etwa fünf Scherenschnitte pro Jahr. Die Inspiration für seine Sujets holt er sich in seiner bäuerlichen Umgebung in Blankenburg bei Zweisimmen.

Von Beruf ist Hans-Jürgen Glatz Koch, mit seiner Frau führt er das Hotel und Restaurant Hüsy in Blankenburg. Es ist ein veritables Museum: Überall hängen eingerahmte Scherenschnitte - solche des Chefs selber und solche von anderen Künstlern.

Dazu pflegt Hans-Jürgen Glatz das Archiv des Vereins
«Freunde des Scherenschnittes Schweiz». Und gelegentlich bekommt er Besuch oder ein Paket, wenn jemand sein geübtes Auge braucht: Die Leute kauften Scherenschnitte im Glauben, es seien alte Originale, dabei seien es manchmal Fälschungen. Solche erkenne er sofort, erzählt Hans-Jürgen Glatz im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF.

Dass seine eigenen Scherenschnitte je gefälscht werden könnten, das befürchtet Hans-Jürgen Glatz nicht. «Die sind zu filigran, die kann man nicht kopieren», lacht er.