Schiessstand-Sanierung ist bleischwere Last für die Gemeinden

Bis ins Jahr 2020 müssten alleine im Kanton Bern über 600 Schiessstände saniert sein. Das Blei muss aus dem Boden der Kugelfänge, so wollen es die Umwelt-Gesetze des Bundes. Nur haben weder die Gemeinden noch die Schützenvereine die nötigen Millionen.

Ein Scheibenstand mit sechs Scheiben, davor die Schiessfahne beim Schützenhaus.

Bildlegende: Kostenfalle Scheibenstand: Die Sanierung des Bodens hinter bescheidenen sechs Scheiben kostet rund 150'000 Franken. Keystone

Im Erdreich hinter den Scheibenständen liegen gewaltige Mengen Blei - die Hinterlassenschaft der über 130jährigen Tradition des ausserdienstlichen Schiessens in unserem Land. Jede der Abermillionen Gewehrpatronen, die die Schützen verschossen haben, verfrachtet acht Gramm Blei in den Kugelfang. Die neue Sturmgewehr-Munition seit 1990 machts mit drei Gramm. Und nun sagt der Bund: Bis 2020 muss diese Altlast raus aus den Böden.

25'000 Franken pro Scheibe

Die Säuberung der Kugelfänge ist eine teure Angelegeheit. 25'000 Franken pro Scheibe ist zu veranschlagen, dazu kommen Expertisen von spezialisierten Ingenieurunternehmen. Kostet im Kanton Bern zwischen 150 und 180 Millionen.

Leere Pistolen-Patronen in einem Kübel an einem Feldschiessen.

Bildlegende: Jede verschossene Patrone hinterlässt Blei im Erdreich des Kugelfangs. Die Sanierung kostet viel Geld. Keystone

Der Bund zahlt 8'000 Franken pro 300-Meter-Scheibe, vom Rest übernimmt der Kanton 80 Prozent. Für die Gemeinden und die Schützenvereine bleiben 10 bis 15 Prozent. Das stellt sie vor beträchtliche Finanzprobleme, zumal die Vereine in aller Regel wenig Geld haben.

«Der grosse Kostentreiber ist die Entsorgung. Schwer verunreinigtes Erdreich wird gewaschen und das Blei dann eingeschmolzen», sagt Oliver Steiner, der zuständige Fachmann bei der bernischen Baudirektion. Und weil man vielfach nicht mehr wisse, wie der Schiesstand früher gebraucht worden sei, müsse man die Umgebung genau untersuchen. Denn im Blei hat es auch Antimon. Hochgiftig, wasserlöslich und damit eine Gefahr für das Grundwasser und für Flüsse und Bäche.

Die Gemeinden wehren sich

Bei den Gemeinden landauf landab ist wenig Bereitschaft zu spüren, hier hohe Summen in die Hand zu nehmen. Immerhin waren die Gemeinden ja verpflichtet, Schiessstände fürs Obligatorische und das Feldschiessen bereitzustellen. Und so wird der Ruf immer lauter, der Bund habe sich viel stärker an der Sanierung zu beteiligen.

Die Gemeinde Sigriswil zum Beispiel mit elf Dörfern und acht Scheibenständen steht vor einem Problem. «Das macht uns Bauchweh. Geld haben wir nicht eingeplant. Und ob die Bevölkerung für die Sanierung sogar eine Steuererhöhung akzeptieren würde, ist sehr fraglich», resümiert Gemeinderatspräsident Alfred Santschi.

Die Seeländer Gemeinde Seedorf ist etwas weiter. Ein Scheibenstand im Gewässerschutzgebiet ist saniert und stillgelegt. Und im Sommer 2015 will man einen der restlichen 4 Scheibenstände sanieren und die andern aufgeben. «Das Geld für einen Schiesstand hat das Volk bewilligt und die Schützen bezahlen auch ihren Anteil», sagt Gemeindepräsident Hans Peter Heimberg. «Aber wenn wir alles sanieren müssen, kostet das einen halben Steuerzehntel. Wahrscheinlich machen wir einfach mal einen Zaun um die Scheibenstände.» Eine Massnahme, die in vielen Gemeinden gang und gäbe ist.

Mit dem Zaun sei zumindest sichergestellt, dass keine Kühe mehr auf dem Kugelfang weiden können, sagt dazu Oliver Steiner von der bernischen Baudirektion. «Es ist sicher eine vernünftige Massnahme. Aber - sie löst das Problem nicht».

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr