Schwarzenburg: Der Kampf um das letzte «Sääli» im Dorf

Die Botschaft an der Fassade des über 100-jährigen Gasthofs Bahnhof in Schwarzenburg ist klar: «itz geit öppis! mach o mit» So wirbt eine IG, die den geschlossenen Betrieb wieder beleben und den letzten Saal im Dorf erhalten will. Gute Idee, finden viele. Aber es braucht viel Geld.

«Es kann ja nicht sein, dass man als erstes auf eine geschlossene Beiz trifft, wenn man in Schwarzenburg aus dem Zug steigt. Ein Haus in bester Lage», sagt Philipp Baumann, der Projektleiter der IG Gasthof Bahnhof. Und so versuchen er und seine Mitstreiter, dem 1907 gebauten Haus neues Leben einzuhauchen.

Mit einer Genossenschaft, die wirtet, den letzten Saal im Dorfzentrum selber wieder in Betrieb nimmt, vielleicht die Hotelzimmer wieder bereit macht und das Haus gründlich instand stellt. Denn nach drei Jahren Stillstand mehren sich am stattlichen Gebäude und in der Gartenwirtschaft die Zeichen der Verwahrlosung.

«Die Bevölkerung, die Vereine, die Politik werden entscheiden müssen, ob sie das wollen», fährt Philipp Baumann fort. Einfach wird es nicht: Die IG, bzw. eine Genossenschaft müssen in den nächsten fünf Jahren rund 2,5 Millionen Franken aufbringen für Kauf und Renovation und dann müsste der Betrieb sich selber tragen.

«Aber wir haben seriöse Kostenschätzungen und Businesspläne», fährt Philipp Baumann fort. Am 26. August 2016, bei der Gründung der Genossenschaft, will die IG alle Fakten auf den Tisch legen.

Die Idee aber scheint sich in den Köpfen festzusetzen. «Ich freue mich, dass es bereits Rückmeldungen und Vorschläge aus der Bevölkerung gibt, was man mit dem Saal und dem Haus alles anstellen könnte», verrät Philipp Baumann.

Alle sagen: Gute Idee...

«Für das Dorf- und Vereinsleben wäre es gut, wenn wir im Dorf selber wieder einen Saal in dieser Grösse hätten, für Versammlungen oder mal einen Lottomatch», sinniert Martin Binggeli, Präsident der Vereinigung der Schwarzenburger Sportvereine. Er hat unter seinem Dach 26 Vereine, über 100 gibt es in Schwarzenburg. Für grössere Anlässe sind die Vereine in den letzten Jahren in die Mehrzweckanlage der Gemeinde ausserhalb des Dorfes ausgewichen – ein sehr geräumiger Saal mit grosser Küche, aber nicht dauernd bewirtet.

Auch Franziska Ackermann, die das Schwarzenburger Ortsmarketing leitet, kann der Idee eines wiederbelebten Gasthofs Bahnhof einiges abgewinnen, auch wenn sie keine Mittel für eine Beteiligung hat. «Es wäre sicherlich eine Bereicherung, auch wenn wir noch nicht wissen, wie eine künftige Nutzung und ein Kultur- und Gastro-Angebot konkret aussieht».

...aber das Geld liegt nicht auf der Strasse

Grundsätzlich positiv reagiert auch Andreas Kehrli, Vizegemeindepräsident von Schwarzenburg. «Es ist zweifellos erfreulich, wie sich die IG engagiert. Aber wir sehen auch die Hürden».

So ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Gemeinde finanziell beteiligt. Allerdings hat sie ein waches Auge darauf, was mit der denkmalgeschützten Gasthof-Liegenschaft passiert.

So hat sich die Gemeinde denn auch an einer Nutzungsplanung beteiligt für das ganze Terrain und will nicht, dass die Liegenschaft zerfällt. Der Saal sei dabei ein «Klumpfuss», sagt Andreas Kehrli. Zehn Stunden heizen, damit er überhaupt nutzbar sei, nehme kein Wirt mehr auf sich.

Dem Denkmalpfleger ist das Problem vertraut

Michael Gerber, der bernische Denkmalpfleger, kennt solche Kämpfe um traditionelle Wirtshäuser und Säle aus vielen Gemeinden. «Für mich ist es nicht nur ein denkmalschützerisches Problem. Sondern auch ein Zeichen, wie sich eine Gesellschaft verändert». Und so geschehe es, dass ein Saal umgenutzt wird, zu Wohnungen oder für andere Zwecke. «Damit bekommt ein Bau zwar einen neuen Sinn. Aber wir verlieren ein Baudenkmal».