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So weiblich wie noch nie Woher kommt der Frauen-Erfolg in der Berner Politik?

35,6 Prozent: Noch nie waren so viele Frauen im Grossen Rat. Ein Grund ist Förderung, ein anderer vielleicht Ärger.

Eigentlich hat es ja immer noch zu wenig Frauen im Parlament, verglichen mit der Bevölkerung: «Es sollten 50 Prozent sein», sagt SP Kantonalpräsidentin Ursula Marti. Trotzdem sei der Zuwachs von 31,9 auf 35,6 Prozent ein Fortschritt.

In absoluten Zahlen:

  • 2014 wurden 51 Frauen ins 160-köpfige Parlament gewählt.
  • Ende Legislatur sind es noch 46 Frauen. (Zurückgetretene Frauen wurden also durch Männer ersetzt.)
  • 2018 sind 57 Frauen gewählt worden.

Über drei Jahrzehnte hinweg haben die Frauen in der Berner Kantonspolitik deutlich zugelegt. 1990 waren es noch halb so viele.

Legende:
Frauenanteil Berner Kantonsparlament, 1990 - 2018 Staatskanzlei

Die neu gewählten Frauen stammen zur Hälfte aus linken Parteien (SP 6, Alternative Linke 1). Doch auch bürgerliche und Mitte-Parteien ohne separate Frauenliste stellen im neuen Parlament 6 Frauen mehr als zum Ende der aktuellen Legislatur.

Urban wählt weiblich

Politologe Adrian Vatter sieht den Grund für wachsenden Frauenanteil im Parlament in den Agglomerationen: «Hier sehen wir einen gewissen Wandel: Auch im bürgerlichen Lager werden vermehrt Frauen gewählt.» Je urbaner die Schweiz werde, desto weiblicher die Kantonsparlamente.

Von einem möglichen Zufall spricht Aliki Panayides, Geschäftsführerin der bernischen SVP. Ihre Partei habe jedenfalls nicht speziell auf Frauen gesetzt.

Oder ist es aus Ärger?

Einen Grund für den höheren Frauenanteil bei den Wahlen 2018 sieht SP-Kantonalpräsidentin Ursula Marti im Ärger über die Lohn-Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. «Der Ständerat hat gegen die Lohngleichheit gestimmt, ich denke, dass das viele Leute motiviert hat, Frauen zu wählen.»

Die beiden nach der Bekanntgabe der Berner Wahlresultate am 25. März 2018
Legende: Vorbilder für Frauen? Bundesrätin Simonetta Sommaruga (rechts) und die neu gewählte Berner Regierungsrätin Evi Allemann. Keystone

Eine andere Erklärung hat Lydia Baumgartner, eine von sechs neu gewählten SP-Frauen: «Die Menschen möchten grundsätzlich keine Extrempolitik mehr.» Und Frauen stünden eher für Kompromisse, das hätten auch die Wähler gemerkt.

Bereits wieder eine Frau weniger

Von den gewählten Frauen tritt eine ihr Amt gar nicht an. Aline Trede (Grüne) ist zwar ins Kantonsparlament gewählt worden. Aber sie wird den Nationalratssitz ihrer Parteikollegin Christine Häsler erben, welche in die Berner Regierung wechselt. An Stelle von Aline Trede wird im Kantonsparlament Daniel Klauser politisieren. Minus eine Frau also bereits wieder.

Schweizweit an dritter Stelle

Spitzenreiter-Kanton in Sachen Frauenanteil ist Basel-Stadt: laut Bundesamt für Statistik liegt der Anteil Frauen im Parlament dort bei 38 Prozent.

Dann folgt der Aargau mit 36 Prozent und nun Bern mit 35,6 Prozent.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Warum gibt es in linken Parteien mehr Frauen? Ganz einfach weil Bürgerliche Parteien tendenziell zu wenige Frauen aufstellen! Ich bin eher bürgerlich eingestellt und würde sofort eine Frau wählen wenn sie überzeugender rüberkommt als eine männliche Konkurrenz. Z.B. Frau Schlumpf oder Frau Metzler hätte ich sofort gewählt.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Warum es am meisten Frauen bei den links/grünen Parteien in die Räte schaffen, ist nur durch der Ideologie und Gesinnung im linken Politlager entstanden und möglich geworden! Wenn eine Person (unabhängig vom Geschlecht) bereit ist, als Politier(in) für die Mitmenschen im Staat als Volksvertreter(in) Probleme und Sorgen zu lösen, ist nur der Charakter, der Schulsack am Rücken und die Gesamtbeurteilung der gesellschaftlichen Istzuständen (Vielfalt) massgebend!
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  • Kommentar von Alfons Bauer (frustriert)
    Ein höherer Frauenanteil hat noch nichts mit Erfolg zu tun.
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