Spital Emmental erfindet neue Finanzierung für seine Bauprojekte

Das Regionale Spitalzentrum Emmental (RSE) finanziert seine Burgdorfer Ausbaupläne von rund 110 Millionen zu einem grossen Teil über Anleihen. Dass der Eigentümer Kanton Bern kein Geld hat, spielt keine Rolle. Eine Premiere bei öffentlichen Spitälern. Der Gesundheitsdirektor ist des Lobes voll.

Das überarbeitete Ausbau-Projekt des Spitals Burgdorf.

Bildlegende: Das überarbeitete Ausbau-Projekt des Spitals Burgdorf. zvg RSE

Mit dem kostenmässig um zehn Prozent abgespeckten Umbauprojekt des Spitals Burgdorf und mit der für den Kanton Bern doch neuen Finanzierungsart haben sich die Emmentaler Spitalverantwortlichen durchgesetzt.

Noch in diesem Frühjahr geht es los mit dem Bau des neuen Parkhauses, dann kommt das neue Bettenhaus. «Wir haben Wachstum, wir sind überbelegt. Und wir haben gute Zahlen und können uns im Konkurrenzkampf auch gegen Bern behaupten», sagen RSE-Verwaltungsratspräsidentin Eva Jaisli und ihr CEO Adrian Schmitter.

Aber sie sagen auch: «Wir haben grossen Respekt vor der Herausforderung und wollen uns keinen Rückschlag leisten».

Ein Bauprogramm mit hohem Tempo bis 2018. Und eine vollständig neue Stimmungslage zwischen Kanton und der Spitalgruppe. Im Jahr 2011, als der Rest des damaligen Spitalfonds verteilt wurde, ging das Regionale Spitalzentrum Emmental nämlich leer aus. Ihr Ausbauprojekt sei nicht finanzierbar, schnödete das kantonale Spitalamt und verweigerte einen Beitrag. Das sorgte zwischen Bern und Burgdorf für sehr dicke Luft.

Die Emmentaler drehten den Spiess um

Verwaltungsrat und Spitalleitung planten danach einen noch deutlich grösseren Umbau und liessen den Eigentümer Kanton Bern bei der Finanzierung ins Leere laufen. Es braucht ihn schlicht nicht. Jetzt finanzieren zwei Banken die Projekte mit Krediten. Und etwa 60 Millionen erwarten die Spitalverantwortlichen in den nächsten Wochen aus Anleihen. Das sind Kapitalanlagen von Versicherungen, Pensionskassen oder Investoren, zu einem fixen, aber günstigen Zins während zehn Jahren. Eine ähnliche Finanzierung beim Spital Limmattal zeigt, dass es funktionieren kann: Da war eine Anleihe von 100 Millionen binnen zweier Stunden gezeichnet.

Und das gibt nun Lob vom Gesundheitsdirektor des Kantons Bern: «Das Projekt ist inzwischen so gut, dass es auch für die Banken passt. Die Spitalgruppe Emmental hat ihre Hausaufgaben gemacht und ist fit für die Zukunft», applaudiert Regierungsrat Philippe Perrenoud. Er schliesst nicht aus, dass sich andere Spitalzentren in Zukunft auch nach diesem Modell finanzieren könnten.