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Bern Freiburg Wallis Spitalzentrum Biel-Bienne mit Zweisprachigkeits-Label geadelt

Die Region Biel-Bienne lebt die deutsch-französische Zweisprachigkeit jeden Tag mit grosser Selbstverständlichkeit. Und doch musste sich das regionale Spitalzentrum ordentlich anstrengen, um das Label für Zweisprachigkeit zu erreichen. Billinguisme ist nämlich viel mehr als deutsch und französisch.

Wenn ein Zertifikat für Zweisprachigkeit kein Problem ist, dann in Biel-Bienne. In dieser Region redet jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und sein Gegenüber versteht ihn. Diese Wahrnehmung ist zwar nicht falsch, aber sie ist nicht die ganze Wahrheit.

Das Spitalzentrum Biel-Bienne musste vier Jahre lang intensiv arbeiten, um das Zweisprachigkeits-Label der Stiftung «Forum für die Zweisprachigkeit» zu erhalten. «Wir haben uns wirklich anstrengen müssen. Und deshalb sind wir stolz auf die Auszeichnung», bestätigt Bruno Letsch, Geschäftsleitungsvorsitzender des Spitalzentrums für Biel, das Seeland und den Berner Jura.

Virginie Borel, die Geschäftsführerin des Forums für die Zweisprachigkeit, ergänzt: «Natürlich ist man in dieser Region weit mit Bilinguisme. Aber es gab viele Lücken zu füllen. Das Label ist somit der Lohn der geleisteten Arbeit.» Es sei in diesem Spital ein höchst interessanter Prozess in Gang gekommen, der das Verständnis für die verschiedenen Sprachen sehr geschärft habe.

Folge davon: Das Spitalzentrum Biel garantiert inzwischen die Zweisprachigkeit im Alltag. Und den Angestellten ist es dabei erwiesenermassen wohl und sie haben an Sprachfertigkeit gewonnen. Sie bekommen in der nächsten Zeit einen neuen Batch, einen Ausweis, der auf einen Blick zeigt, welchen Sprachen sie mächtig sind.

Die Arbeit für das Label hat ein gutes Klima für Sprachsensibilität geschaffen. Da ist ein Prozess in Gang gekommen
Autor: Virginie BorelGeschäftsführerin Forum für die Zweisprachigkeit

Konsequente Zweisprachigkeit bei allen Beschriftungen und Auftritten, das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Fürs Label braucht es auch eine genügende sprachliche Durchmischung der Angestellten in allen Bereichen - im Vorteil ist, wer sich in der jeweiligen Partnersprache gut verständigen kann. Inzwischen sind 26 Prozent der Angestellten französischer Zunge, was Virginie Borel als echte Leistung taxiert. Es braucht Austrittsberichte und medizinische Schriftstücke, die immer in Deutsch und Französisch verfügbar sind. «Inzwischen sind wir so weit, dass sich 95 Prozent unserer Patienten in ihrer Muttersprache deutsch oder französisch unterhalten können», bilanziert Spital-CEO Bruno Letsch.

Aber da ist noch der Dialekt...

Allerdings ist mit diesem Zweisprachigkeits-Prozess auch deutlich geworden, dass die Sprachenfrage und die Verständigung bei weitem nicht auf deutsch-französische Verständigung reduziert werden kann. Die Patienten kommen aus allen Ländern der Welt, das Fachpersonal aus ganz Europa.

«Französisch ist für mich kein Problem. Aber Berndeutsch ist schwierig», gibt Silke Michaelis zu.

Die gebürtige Luxemburgerin ist seit Frühjahr 2015 Chefärztin der Geburtshilfe in Biel. «Inzwischen habe ich gelernt, den Dialekt einigermassen zu verstehen. Aber am Anfang musste ich zuweilen mehrmals nachfragen, bis ich begriffen hatte, was die Leute zu mir sagen.»

Für die Patienten, die weder deutsch noch französisch können, hat das Spitalzentrum Biel eine pragmatische Lösung. «Wir haben hier manchmal 30, 40 Sprachen. Aber wir haben auch viele Angestellte aus vielen Ländern», sagt CEO Bruno Letsch. Da habe sich im Betrieb so etwas wie ein «informeller Dolmetscherdienst» entwickelt, wenn der Kunde zum Beispiel einen afrikanischen Dialekt oder brasilianisch spreche.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    SF.. ich weis, es hat geaendert.. aber nichtsdestotrotz.. wenn IHR einen Trennungsstrich in ein Wort einfuegt, das getrennt wurde, auch wenn es nicht "passt", so waere es doch besser zu lesen.. Beweis Ihr Titel.. La bel.... na immerhin habt Ihr mich zum Denken angeregt!
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  • Kommentar von Titus Sprenger (TitusSprenger)
    Bruno Letsch, ein Zürcher, führt endlich ein, was schon seit Jahrhunderten selbstverständlich sein sollten. Ein schönes Beispiel dafür, wie eine quasi "zugewanderte Führungskraft" etwas zur (sprach-)kulturellen Vielfalt beiträgt...
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