Stadt Bern profitiert von Negativzinsen

Schulden machen und dabei Geld verdienen: Das erlebt die Stadt Bern momentan. Seit der Einführung der Negativzinsen hat die Stadt eine halbe Million Franken eingenommen, indem sie sich verschuldet hat.

Die verkehrten Zustände am Kreditmarkt bringen auch Gewinner hervor. Die Stadt Bern hat in den letzten Monaten mehrere Kredite aufgenommen, für die sie nicht Zinsen zahlen muss, sondern Negativzinsen erhält. Der Stadtberner Finanzdirektor Alexandre Schmidt bestätigt, dass die Stadtbehörden Kredite in der Höhe von 80 Millionen Franken aufgenommen haben und bereits eine halbe Million dafür erhalten hat.

Portrait Berner Finanzdirektor Alexandre Schmidt.

Bildlegende: Der Stadtberner Finanzdirektor Alexandre Schmidt sieht viel Gutes an den momentanen Negativzinsen. Keystone

«Wir profitieren tatsächlich von der jetzigen Situation», sagt der Finanzdirektor. Als die Nationalbank die Negativzinsen eingeführt habe, sei die Stadt Bern auf eine neue Strategie umgeschwenkt. Statt langfristige Schulden anzuhäufen, würden neu kurzfristige Kredite aufgenommen – Kredite mit Negativzinsen.

Gläubiger seien mehrere Institute. «Wir erhalten Offerten von Banken, aber auch von Versicherungen und Pensionskassen.» Die Zinsraten seien von Kredit zu Kredit unterschiedlich, so Schmidt. Sie beliefen sich zwischen -0.4 und -0.7 Prozent.

Die Stadt muss aber auf darauf achten, dass sie nicht zu viel Geld anhäuft auf ihren Konten. Denn dann muss sie selbst wieder Negativzinsen zahlen. «Bis jetzt war das nicht der Fall», sagt Alexandre Schmidt. Das Geld komme schubweise, dann, wenn die Leute die Steuerrechnungen bezahlten. «Wir müssen einfach darauf schauen, dass wir zu diesen Zeitpunkten möglichst wenig Geld auf dem Konto haben.» Weil Strafzinsen zahlen, das müsse gar nicht sein, so Schmidt.