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Stilllegung AKW Mühleberg «Es klingt alles so rosarot»

Jürg Joss kämpft seit über 30 Jahren gegen die Atomkraft. Das Aus für das AKW Mühleberg begleitet er kritisch.

Legende: Audio Der Atom-Kritiker Jürg Joss vor dem Hauptsitz der BKW. abspielen. Laufzeit 06:04 Minuten.
06:04 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 07.12.2018.

Der 30. Oktober 2013 war ein denkwürdiger Tag für Jürg Joss. Damals verkündete der Stromkonzern BKW, dass das Atomkraftwerk Mühleberg abgeschaltet wird. Im Dezember 2019 sollte der Stecker gezogen werden, so die Mitteilung. Der Betrieb lohne sich nicht mehr.

Während Jahrzehnten hat Joss gegen das Kernkraftwerk im Kanton Bern gekämpft. Dann dieser Entscheid der BKW. «Im ersten Moment hatte ich Herzklopfen», sagt Joss rückblickend. Er habe sich bestätigt gefühlt: «Der Entscheid zur Stilllegung kam ja, weil die Technik im AKW am Ende der Lebensdauer angekommen war.» Nachzurüsten wäre die BKW zu teuer gewesen, sagt Jürg Joss.

Doch die Freude dauerte nicht lange: «Bald dachte ich bereits wieder daran, dass der Reaktor noch sechs weitere Jahre läuft.»

30 Jahre Kampf

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Es war in den 1980er-Jahren, als Jürg Joss zum AKW-Gegner wurde: «Ich habe ein Buch über die Katastrophe in Tschernobyl gelesen, da habe ich entschieden, mich zu engagieren.» Seit rund 30 Jahren ist er einer der energischsten Gegner der Atomkraft. Er machte bei der «Aktion Mühleberg stilllegen» mit und ist im Vorstand des Vereins «Fokus Anti-Atom». Der gelernte Elektrotechniker hat beruflich bereits in Atomkraftwerken gearbeitet. Heute ist er für die SP auch Gemeinderat in Bätterkinden.

Entsprechend kritisch hat Joss die Pläne für die erste Stilllegung begleitet. Erst 2016, drei Jahre nach dem Stilllegungsentscheid, hat er Vertrauen gewonnen: «Die BKW hat uns Kritiker eingeladen und die Unterlagen zur Stilllegung erklärt. Wir konnten offen Fragen stellen. Es war plötzlich eine ganz andere Gesprächskultur da.»

Wir haben heute eine andere Gesprächskultur mit der BKW.
Autor: Jürg JossMühleberg-Kritiker

Joss spricht von einer neuen Kultur bei der BKW, die er erlebe: «Alte Atom-Hardliner wurden zurückgestuft, neue Köpfe kamen in den Verwaltungsrat.» Das habe sicher auch mit der Konzernchefin zu tun, mit Suzanne Thoma.

Unterdessen hat die BKW die Stilllegungsverfügung durch das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK erhalten. Und auch Joss sagt: «Ich sehe, dass die BKW einen Rückbau plant, der durchführbar ist.»

Eine Begleitgruppe?

Jürg Joss kritisiert heute nur noch wenige Punkte an der Stilllegung. Einer ist, dass bei der BKW grundsätzlich alles «sehr rosarot» töne. Alles sei machbar: Die Finanzen, die Technik, die Sicherheit. «Dabei zeigt der Blick nach Deutschland, dass es Schwierigkeiten geben kann beim Rückbau.» Joss erwähnt etwa die Freimessgrenze für radioaktives Material. Sie müsste eventuell tiefer angesetzt werden.

Um solche Themen zu diskutieren, schlägt Joss eine unabhängige Begleitgruppe vor. Kritiker, Anwohner und Mediziner könnten so den Rückbau eng mitverfolgen. «Das würde ja auch der BKW helfen», meint Joss. Doch so eine Gruppe habe die BKW bisher abgelehnt.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es klingt alles so rosarot, aber im Grunde genommen ist es einfach unmöglich! Wenn es kein Endlager gibt, +das wird es nie geben, kann der "Dreck" auch nicht entsorgt werden. Aus meiner Sicht gibt es nur eines. Man stellt die AKW ab und baut darüber und rundherum einen dicken Mantel. Dieser "Berg" ist wenigstens noch kontrollierbar und sollte es einmal möglich werden, Radioaktivität zu neutralisieren, hätte man besseren Zugang. Auch müsste man nicht noch weitere Gegenden den Gefahren aussetzten.
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