Thörishaus: Warum Gemüse anbauen nicht mehr rentiert

Im Berner Vorort Thörishaus haben in den letzten Jahren sechs Gemüsebauern ihren Hof aufgegeben. Der Preisdruck auf dem Markt war zu stark.

Grüne Wiese mit acht ungebrauchten Gemüsetunneln darauf.

Bildlegende: Viele Gemüsetunnels in Thörishaus werden nicht mehr gebraucht. SANDRA CHRISTEN/SRF

«Ich bin nicht verbittert», sagt der ehemalige Gemüseproduzent Christian von Känel aus Thörishaus. Aber: «Die Entwicklungen in der Landwirtschaft geben mir schwer zu denken.» Es könne doch nicht sein, sagt der 58-Jährige, dass man als Produzent immer weniger für seine Ware erhalte. Von Känel hat sein Gemüse unter anderem an Coop geliefert. Er sagt: «In den letzten Jahren – nicht zuletzt wegen dem Markteintritt von Aldi und Lidl – stieg der Preisdruck enorm.»

Porträt von Christian von Känel vor einer weissen Wand.

Bildlegende: Kann wieder lachen: Der ehemalige Gemüsebauer Christian von Känel hat sich neu orientiert. SANDRA CHRISTEN/SRF

Ende 2012 hat sich Christian von Känel entschieden, dem Preisdiktat nicht mehr zu folgen. Heute hat er statt Gemüse Kühe und verkauft deren Kälber als Natura Beef. Davon leben kann der Bauer allerdings nicht und arbeitet deshalb auch noch ausserhalb des Betriebes.

Hohe Produktionskosten

Dass in Thörishaus gleich mehrere Landwirte ihren Betrieb eingestellt haben, hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Auflösung einer Gemüseplattform. Ein anderer findet man laut Thomas Wyssa, Sprecher der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Freiburg und Bern auch in der Topographie: «In Thörishaus ist es hügelig. Dies verursacht – beispielsweise im Vergleich zum flachen Seeland – Mehrkosten in der Produktion.»

«  Jeder muss sich dem Markt stellen. »

Rolf Bernhard
Migros Aare

Bei den Grossverteilern spielen regionale Produkte eine zentrale Rolle – entsprechend werden sie auch mit eigenen Labels vermarktet. «Der direkte Draht in die Produktion ist uns wichtig», sagt Rolf Bernhard, Leiter Labels und Agrarbeziehungen bei der Migros Aare. In Bezug auf den steigenden Preisdruck meint er: «Jeder Betrieb muss sich heute in Sachen Kosten, Nutzen und Effizienz dem Markt stellen. Auch uns geht das so.» Und Urs Meier, Mediensprecher von Coop, schreibt auf Anfrage von Radio SRF: «In der Branche herrscht mittlerweile eine sehr hohe Preistransparenz, was den Druck auf die Betriebe erhöht.» Generell sei Innovation, Mut und Unternehmergeist gefragt.

Porträt von Daniel Flühmann vor seinem Gemüsegarten.

Bildlegende: Daniel Flühmann hat sich mit seinem Gemüse-Angebot «Legummes» einen Traum verwirklicht. SANDRA CHRISTEN/SRF

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt in Thörishaus Daniel Flühmann: Seit Anfang Jahr baut der 35-Jährige auf einer Viertel-Hektare Biogemüse an und verkauft es in Form eines Gemüse-Abos. «Ich bin für eine direkte Beziehung zwischen Produzent und Konsument», sagt Flühmann. Denn: «Die Landwirtschaft ist nicht primär dazu da, um Geld zu verdienen. Sondern, um Menschen zu ernähren.»

Das Konzept der sogenannten regionalen Vertragslandwirtschaft, wie es Daniel Flühmann praktiziert, ist nicht neu. Nach aktuellen Schätzungen beziehen in der Schweiz momentan ungefähr 6000 Leute ihr Gemüse nach diesem Prinzip. Damit das System flächendeckend funktionieren würde, brauche es zuerst ein grosses Umdenken in der Politik, sagt der studierte Agronom Daniel Flühmann.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)