Ungewöhnliches Schulexperiment in Riggisberg

An zwei Halbtagen standen vor den Schülern in Riggisberg keine Lehrer. Die Jugendlichen unterrichten sich selbst. Auf dem Stundenplan stand aber weder Mathematik noch Französisch.

Schüler versammeln sich an einer Werkbank.

Bildlegende: Ivo (ganz rechts) zeigt seinen Kollegen, wie ein Töfflimotor funktioniert. SRF

Die Schüler der 7. bis 9. Klasse zeigen sich in Workshops, sogenannten «Ateliers», ihre Hobbys. Die Workshops dauern zwei oder vier Lektionen und finden in Schule oder draussen statt. Da werden Töffli geflickt, Kuchen gebacken, Pferde ausgeritten, Tänze einstudiert oder Instrumente gespielt.

«Es ist eine coole Erfahrung», sagt Marina. Gemeinsam mit einer Kollegin zeigt sie den anderen Schülerinnen, wie man sich am besten die Fingernägel lackiert. Etwas unterschätzt hat sie den Aufwand für die zwei Schullektionen. «Es gibt viel zu organisieren», sagt sie.

Auch Ivo steht vor einer Schulklasse. Der 15jährige lernt seine Kameraden, wie man Töfflimotoren flickt. «Lehrer will ich nicht werden, ich kann viel zu wenig gut erklären und erzählen», sagt er nach seiner ersten Schulstunde.

Jeder dritte Schüler führt einen Workshop durch und wird so für kurze Zeit zu einer Lehrperson. So kommt es, dass Schüler aus der 7. Klasse auch älteren Schülern Stoff vermitteln. Eine grosse Verantwortung. Ist sie zu gross? Nein, meint Schulleiter Thomas Krayenbühl. «Im Vorfeld wurden die Schüler von Lehrpersonen betreut.» Auch sind jederzeit Lehrerinnen und Lehrer im Schulhaus, die helfen könnten.

Das Selbstbewusstsein stärken

Schulleiter Thomas Krayenbühl betont, wie gross der Nutzen dieses Experiments ist. «Die Schüler können ihr eigenes Wissen weitergeben.» Das stärke das Selbstbewusstsein. Und die anderen Jugendlichen erhalten Einblick in neue Themen. Das kommt an. «Ich finde es spannend, wenn ein Kollege von seinem Hobby erzählt», sagt ein Schüler. Diese Abwechslung nimmt die Riggisberger Jugend offenbar gerne an.

Geplant war der Rollentausch in Riggisberg als einmalige Sache. Schulleiter Thomas Krayenbühl kann sich aber gut vorstellen, das Experiment zu wiederholen.