Buch über Migration Vor 100 Jahren wanderten tausende Freiburgerinnen aus

In Russland, Österreich oder Deutschland arbeiteten ausgewanderte Freiburgerinnen als Gouvernante oder Erzieherin.

Postkarte

Bildlegende: Postkarte einer Freiburger Gouvernante in Russland. zvg Anne-Sibylle de Weck Roduit

Ende des 19. Jahrhundert gab es in Freiburg wenig Arbeit. Viele junge Freiburgerinnen wanderten deshalb aus. Sie arbeiteten als Gouvernante oder Lehrerin in den europäischen Herrschaftshäusern, weil dort Französisch gesprochen wurde.

Familienphoto aus Russland

Bildlegende: Anna Schwab aus Kerzers (unten links) diente fast 50 Jahre im Dienste des russischen Generals Todleben. zvg Anne-Sibylle de Weck Roduit

«Die Kinder der Herrschaften sollten wie Franzosen sprechen können», erklärt die Freiburger Historikerin Anne-Sibylle de Weck Roduit. Sie hat ein Buch über diese Geschichte geschrieben.

«  1870 brauchte es keinen Reisepass in Europa. »

Anne-Sibylle de Weck Roduit
Historikerin und Buchautorin

Die Freiburgerinnen fanden die Stellen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Es war damals einfach, eine Arbeit zu finden, sagt die Historikerin. 1870 habe es in Europa keinen Reisepass gebraucht, ausser für Russland und Rumänien.

Schlecht behandelt und missbraucht

Viele junge Frauen mussten ihre Familien zuhause unterstützen. «Sie schickten ihren Lohn nach Hause.» Sie wurden in den reichen Familien oft schlecht behandelt, zum Teil missbraucht. Die Frauen halfen sich gegenseitig: Es gab Schweizer Vereine und Hilfswerke im Ausland. Früher oder später kehrten die meisten Frauen zurück, heirateten und wurden Hausfrauen.

Das Buch

«Mademoiselle - Fribourgeoises émigrées dans les empires d'Europe» von Anne-Sibylle de Weck Roduit wurde von der «Société d'histoire du canton de Fribourg» herausgegeben.