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Wahlen in Thun Das grosse Taktieren um einen Gemeinderatssitz ist im Gang

Bei den Thuner Gemeinderatswahlen im November gibt es eigentlich nur eine Vakanz. Aber den freien SP-Sitz wollen viele.

Rathaus Thun mit Plakatständern auf dem Platz.
Legende: Das Rathaus Thun mit Wahlplakaten von 2014. Christian Strübin/SRF

Gemeinderätin Marianne Dumermuth tritt bei den Thuner Wahlen vom 25. November 2018 nicht mehr an. Ihre vier Kollegen in der Stadtregierung bewerben sich um eine weitere Amtszeit, nämlich Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) und die Gemeinderäte Peter Siegenthaler (SP), Roman Gimmel (SVP) und Konrad Hädener (CVP/Fraktion der Mitte).

Die Ausgangslage scheint auf den ersten Blick übersichtlich und ist vergleichbar mit den Wahlen von 2014. Aber dem zweiten SP-Sitz erwächst Konkurrenz aus verschiedenen Richtungen. Dieses Mandat ist heiss begehrt:

  • Die Grünen nehmen einen neuen Anlauf. 2014 schafften sie es beinahe, dem Listenpartner SP den zweiten Regierungs-Sitz abzujagen.
  • Die FDP will den Sitz zurückgewinnen, den sie vor acht Jahren verloren hat.
  • Die kleinen Parteien der Mitte-Fraktion (EVP, EDU, GLP, CVP) wollen den Sitz von Gemeinderat Konrad Hädener halten. Das ist auch die Absicht der BDP.
  • Nur die SVP ist vom Wähleranteil her in der Lage, ihre zwei Sitze im Gemeinderat aus eigener Kraft zu bewahren.

SVP, SP und FDP haben ihre Kandidatinnen und Kandidaten nominiert. Bei den Grünen steht erst die Spitzenkandidatin fest. Die BDP hat ebenfalls eine eigene Liste in Aussicht gestellt.

Die BDP greift auf ihr Urgestein zurück

Die BDP hat sich nach internen Auseinandersetzungen um die Listenverbindung mit den kleinen Mitte-Parteien neu aufstellen müssen. Parteipräsident, Vizepräsident und Fraktionschef sind fünf Monate vor den Wahlen ausgestiegen.

Die Mehrheit der BDP-Stadtratsfraktion hätte eine Verbindung mit der FDP bevorzugt, die Parteibasis hingegen wollte das Bündnis mit den Mitte-Parteien.

Nun hat die Partei ihren Vorstand neu bestimmt und greift dabei auf bewährte Kräfte zurück. Die ehemalige National- und Gemeinderätin Ursula Haller übernimmt das Parteipräsidium.

Das grosse Taktieren mit Sachzwängen ist im Gang

Bei den Thuner Wahlen 2018 ist entscheidend, wie sich die Parteien verbünden.

  • SP und Grüne sind die klassischen Listen-Partner. Aber sie sind auch Konkurrenten. Ohne Schützenhilfe schafft die SP den zweiten Sitz möglicherweise nicht auf Anhieb. Der Entscheid für eine rot-grüne Listenverbindung steht noch aus.
  • Die BDP wiederholt die Listenverbindung mit den kleinen Mitte-Parteien. So kommt voraussichtlich genug Stimmenpotenzial zusammen, um den CVP-Regierungssitz zu halten. Damit ist aber eine grosse bürgerliche Koalition mit SVP, FDP und BDP vom Tisch.
  • SVP und FDP müssen somit noch entscheiden, ob sie zusammen spannen. Die FDP ist seit 2015 Teil der SVP/FDP-Fraktion im Stadtrat. Sie will bei den Stadtratswahlen einen vierten Sitz angeln, um wieder eine eigene Fraktion zu bilden.

Die Wahlanteile der Thuner Parteien bei den Wahlen 2014

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  • SVP: 39,70 %
  • SP: 23,01 %
  • Fraktion der Mitte (EVP, EDU, CVP, Glp): 11,58 %
  • Grüne: 11,41 %
  • BDP: 8,02 %
  • FDP: 6,28 %

Aus eigener Kraft können Grüne, FDP, BDP und die Mitte-Parteien den Stimmenanteil von 16,7 Prozent voraussichtlich nicht erreichen, den es für einen Sitz im Gemeinderat braucht. Die Grossratswahlen 2018 geben nur bedingt einen Hinweis, wie sich die Parteienstärke in Thun seit 2014 entwickelt hat.

Thuner Wahlen sind immer gut für eine Überraschung

Noch wird deshalb hinter den Kulissen bis zum letzten Moment verhandelt und taktiert. Die Parteien nehmen sich dafür Zeit bis Ende August. Die Namen der Kandidierenden müssen bis am 10. September gemeldet sein, die Listenverbindungen eine Woche später.

Überraschungen sind bei Thuner Gemeindewahlen nie auszuschliessen. Zwar hat die Stadt ihren Wahlmodus zweimal angepasst, um Wahlergebnisse zu erhalten, die auch dem Volkswillen entsprechen. Aber Proporz-Pech kann es trotzdem geben. In den letzten 30 Jahren wurden in Thun vier amtierende Gemeinderatsmitglieder abgewählt.

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