Waldstadt Bremer: «Berner Projekt hat keine Chance»

Ein Architekturbüro will einen Teil des Berner Bremgartenwaldes roden lassen und Häuser erstellen. Eine Studie kommt zum Schluss: Rechtlich ist das unmöglich. Die Befürworter wollen trotzdem weiterkämpfen.

Luftbild der Stadt Bern

Bildlegende: Die Waldstadt im Bremgartenwald soll zwischen Länggasse und Autobahn gebaut werden (rot eingefärbt). zvg

Die Befürworter der Waldstadt Bremer im Berner Bremgartenwald präsentierten 2011 eine Machbarkeitsstudie. Das Projekt sei generell möglich, so das Fazit. Schon damals galt aber das Waldgesetz als Knackpunkt. Es verbietet das Roden von Wald, ausser in Ausnahmesituationen.

Diesen Knackpunkt haben Juristen der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung genauer untersucht. Die Vereinigung wird von den Kantonen und vielen Schweizer Gemeinden getragen.

Die Experten kommen zum Schluss: Ohne eine Änderung des Waldgesetzes ist die Waldstadt Bremer nicht realisierbar. «Für eine Anpassung des Waldgesetzes lässt sich aber kaum eine Mehrheit finden», ist Mitautor Lukas Bühlmann überzeugt.

Weshalb müsste das Waldgesetz für das Projekt überhaupt angepasst werden? Wald darf nur bei einem «überwiegenden Interesse» gerodet werden – so will es das Gesetz.

Dieses «überwiegende Interesse» sei nicht gegeben, meint Bühlmann. Die Promotoren der Waldstadt argumentieren, dass es kaum mehr Platz für neue Wohnungen in der Stadt Bern gibt. Bühlmann widerspricht: «Es ist noch genug Raum für verdichtetes Bauen in der Stadt vorhanden.» Von diesem Argument der Befürworter liesse sich das Bundesgericht also nicht überzeugen. «Das Projekt hat aus rechtlicher Sicht keine Chance», so Bühlmann.

Befürworter und Gegner kämpfen weiter

Die Diskussion geht trotz des vernichtenden Fazits der neusten Studie weiter. An einer Podiumsdiskussion am Montagabend betonte Peter Jakob vom Architekturbüro Bauart einmal mehr die Nachhaltigkeit des Projekts. «Es ist ein Beitrag im Kampf gegen die Zersiedelung», so Jakob. Er gilt als einer der geistigen Väter der Waldstadt Bremer.

Die Studie verunsichert ihn und seine Mitstreiter kaum: «Zuerst haben mich die Resultate der Studie etwas überrascht», sagte er dem «Regionaljournal» von Radio SRF 1. Aber: «Wir sind von unseren raumplanerischen Argumenten überzeugt.»

SVP mit Initiative - Stadt mit Weichenstellung

Demnächst reicht die SVP der Stadt Bern eine Initiative ein, welche die Waldstadt Bremer und andere solche Projekte verhindern will. Laut der Partei sind die nötigen 5000 Unterschriften beisammen. «Wir kämpfen weiter gegen das Projekt», sagt Initiant und SVP-Mann Peter Bernasconi.

Im Mai will die Stadtregierung die Weichen stellen und entscheiden, ob die Stadt Bern das Projekt unterstützen und weiterverfolgen will - oder es sein lässt.

Waldstadt Bremer

Zwischen der Länggasse und der Autobahn soll ein Teil des Bremgartenwaldes Häuser weichen. Ein Quartier für 6000 bis 7000 Menschen und so gross wie die Berner Altstadt ist angedacht. Die Idee warf das Architekturbüro Bauart 2005 auf – seitdem wird es kontrovers diskutiert.