«Walliser sind Herdentiere»

Michel Lochmatter wohnt schon länger nicht mehr im Wallis. Wie viele andere zieht es ihn aber fast jedes Wochenende zurück.

Eigentlich, sagt der 27-jährige Mitarbeiter einer Berner Anwaltskanzlei, höre er das Wort Heimwehwalliser nicht gern. Und trotzdem treffe es auch auf ihn zu: «Obwohl ich eigentlich weg will, kehre ich immer wieder zurück».

Michel Lochmatter ist in St. Niklaus aufgewachsen. Seine Familie, Kollegen und die Verbundenheit mit dem örtlichen Fussballverein lassen ihn praktisch jeden Freitag in Bern in den Zug steigen. Er trainiert die zweite Mannschaft, um «meinem Club etwas zurückzugeben», wie er es ausdrückt.

Früh weg - und doch immer wieder daheim

Der junge Walliser lebte bereits als Teenager ein Jahr in den USA. Im letzten Jahr verbrachte er viel Zeit bei einem Freiwilligeneinsatz in Haiti. «Noch nie war mir so bewusst, wie gut es uns hier geht», erzählt Michel Lochmatter. Kaum Zuhause kämpft er wieder mit dem «Luxusproblem», sich nicht entscheiden zu können. Er weiss nicht so recht, wohin sein beruflicher Weg führen soll.

Seit er den Kanton Wallis von Aussen beobachtet, hat er eine gewisse Engstirnigkeit festgemacht. «Mir ist aufgefallen, dass viele Walliser nicht gerade offen für andere Ansichten sind.» Das stört ihn. Und doch ist die Chance gross, dass es ihn längerfristig wieder in die Heimat zieht. Denn: «Der Walliser ist ein Herdentier.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)

200 Jahre Eidgenossenschaft

Fahnen

Das Wallis gehört seit 1815 zur Eidgenossenschaft. Der Kanton feiert am Freitag, 7.8.2015, in der Kantonshauptstadt Sitten. Das «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF stellt eine Woche lang vier Walliserinnen und Walliser mit ganz verschiedenen Lebensläufen vor.