Walliser Stimmungswandel um Abtreibungen

Die Walliserinnen und Walliser wollten 2002 nichts wissen von der Fristenlösung. 12 Jahre später haben sie ebenso klar abglehnt, Abtreibungen über die Finanzierung zu erschweren.

Plakte zur Abtreibungsfinanzierung.

Bildlegende: Diese Plakate fanden im Wallis nur wenig Anklang. Keystone

Am Abstimmungssonntag haben 70.8 Prozent der Walliser Stimmbevölkerung die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» abglehnt. Die Initianten wollten die Finanzierung von Abtreibungen erschweren. Vor 12 Jahren sagten über 70 Prozent im Wallis noch Nein zur Fristenlösung, die eine straflose Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ermöglicht.

Das aktuelle Volksbegehren sei mit der Grundsatzfrage von damals nicht zu vergleichen, findet CVP-Grossrat Philipp Matthias Bregy. Seine Partei hatte die Fristenlösung 2002 bekämpft. «Wir haben unsere Meinung gegenüber Abtreibungen nicht geändert.» Allerdings sei es dieses Mal nicht um die Abtreibungen an sich, sondern um die soziale Frage der Finanzierung gegangen. Von einem Sinneswandel spricht hingegen die Walliser SP-Grossrätin Doris Schmidhalter-Näfen. Auch den Wallisern sei heute klar, dass die Fristenlösung eine gute Lösung sei, glaubt sie.

Wenig Polemik im Vorfeld

Von einem gesellschaftlichen Wandel spricht der Pfarrer von Brig, Paul Martone. Das menschliche Leben habe an Wert verloren, findet der Geistliche. Die katholische Kirche hatte die Initiative jedoch nicht offensiv unterstützt. Der Abstimmungskampf war darum im Wallis eher lau. Ganz anders als vor 12 Jahren, als rechtskonservative Kreise einen sehr emotionalen Abstimmungskampf führten. Wegen einer diffamierenden Plakatkampagne kam es später gar zu einem Gerichtsverfahren.