Wenn ein Lawinenleitdamm ein Walliser Dorf trennt

In Reckingen sind die Erinnerungen an die grosse Lawinenkatastrophe von 1970 noch präsent. Nun spaltet ein geplanter Schutzdamm das Dorf im Goms.

Die Gemeinde Reckingen-Gluringen im Goms plant 45 Jahre nach der verheerenden Lawine ein grosses Schutzprojekt. Die beiden Dämme am Dorfeingang sollen verlängert und um zehn Meter erhöht werden. «Die aktuellen Gefahrenkarten für Hochwasser und Lawinen zeigen, dass das nötig ist», sagt Gemeindepräsident Norbert Carlen.

Im Dorf regt sich Widerstand: Eine Privatperson hat Einsprache erhoben. Leo Garbely wird von einer IG unterstützt, die inzwischen mehr als 60 Mitglieder hat. «Der Damm verschandelt die Landschaft und damit unser Kapital», findet der Einsprecher. In der Zwischenzeit liegt der Fall vor dem Kantonsgericht.

Gegenvorschlag untauglich?

Die IG hat einen Gegenvorschlag ausarbeiten lassen. Sie möchten die Strasse absenken und den Graben zwischen den beiden bereits bestehenden Dämmen vertiefen.

Die Gemeinde hat die Ideen von Experten prüfen lassen. «Das wird zu teuer und der Eingriff in die Landschaft wird vermutlich noch grösser», fasst Gemeindepräsident Norbert Carlen die Erkenntnisse zusammen.

Im Goms will man nun erstmal den Gerichtsentscheid abwarten. Eigentlich hätten die Bauarbeiten für den neuen Damm bereits im Sommer beginnen sollen.

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Lawinenunglück mit 30 Toten

1:29 min, aus SF WISSEN vom 6.3.1970

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr)

Die Lawine von 1970

Am 24. Februar 1970 brachte eine riesige Lawine am frühen Morgen Tod und Verwüstung. In Reckingen starben 30 Menschen. Darunter 19 Angehörige der Armee und 11 Frauen und Kinder aus dem Dorf, die im Schlaf überrascht wurden. Die Katastrophe gilt bis heute als schlimmstes Lawinenunglück der Neuzeit.