Wer gewählt wird, sitzt 24 Stunden am Tag im Glashaus

Die Bernerinnen und Berner wählen am 28. Februar zwei neue Mitglieder in die Kantonsregierung. Wählen lassen wollen sich - von links bis rechts - jedoch nicht national profilierte Politikerinnen und Politiker. Woran liegt es, dass sich die politischen Topleute nicht um diese Spitzenjobs reissen?

Ersatzwahl für den Berner Regierungsrat 2016

Sie wollen nicht von der eidgenössischen auf die kantonale Ebene wechseln; wollen lieber im Nationalrat bleiben, als für die bernische Kantonsregierung zu kandidieren: Evi Allemann und Matthias Aebischer von der SP. Aber auch die politischen Schwergewichte der SVP wollen lieber national Karriere machen, allen voran der Berner Oberländer Albert Rösti.

Woran liegt das?

Der Aufwand für das Amt sei enorm, sagen drei ehemalige Regierungsmitglieder übereinstimmend. Dies sind Elisabeth Zölch, Dori Schär und Urs Gasche.

Elisabeth Zölch war erst im Nationalrat, wechselte dann 1994 in die Kantonsregierung. Die SVP-Frau stand bis 2006 der Volkswirtschaftsdirektion vor. Dori Schär (SP) wurde 1992 als Regierungsrätin gewählt und leitete bis 2002 die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion. Urs Gasche wurde 2001 noch als SVP-Mitglied in die Kantonsregierung gewählt, wechselte jedoch als Finanzdirektor in die BDP, die er mitbegründete.

Arbeit weniger geschätzt

Gasche stellte fest: «Wir haben ein Grundphänomen, dass politische Arbeit weniger geschätzt und anerkannt wird.» Man sei als Regierungsrat ein regelrechter Schuhabtreter.

«Rund um die Uhr ist man der Öffentlichkeit ausgesetzt», sagt auch Zölch. Und Schär ergänzt: «Es fehlt grundsätzlich der Respekt vor diesem hohen Amt.» Auch der Berner Politologe Claude Longchamp stellt fest, dass das Ansehen eines Regierungsratsmitglieds auch schon besser war.

Finanziell in engen Hosen

Er benennt dafür gleich mehrere Gründe: Der Bund schränke den Gestaltungs- und Handlungsspielraum kantonaler Politiker immer mehr ein. «Gestaltet wird auf Bundesebene, vollzogen schliesslich auf der Kantonsebene.» Hinzu komme, dass der finanzielle Spielraum im Kanton Bern wegen des nationalen Finanzausgleichs immer noch sehr eng sei.

Weiter sei das Prestige des Amts verblasst. Dies auch, weil die Medien oft unzimperlich mit den Regierungsräten umspringen würden.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)