«Wie Meret Oppenheim sehne auch ich mich nach Unabhängigkeit»

Lisa Wenger ist in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Besonders ihre berühmte Tante hat sie stark geprägt, wie sie zum 100. Geburtstag von Meret Oppenheim erzählt.

Porträt von Lisa Wenger.

Bildlegende: «Meret fehlt mir», sagt ihre Nichte zum 100. Geburtstag von Meret Oppenheim. SRF

Die Surrealistin Meret Oppenheim wäre am 6. Oktober 100 Jahre alt geworden. Ihre Nichte Lisa Wenger hat ihren Briefwechsel mit zahlreichen Künstlern, Freunden und Familienmitgliedern aufgearbeitet und in diesem Jahr veröffentlicht.

Bei dieser Arbeit habe sie die «ganz normale Frau hinter der Ikone» entdeckt, erzählt Lisa Wenger. Sie ist bei ihrer Recherche auch auf Gemeinsamkeiten zwischen sich und der berühmten Tante Meret gestossen. «Sie hatte wie ich ein grosses Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit», sagt die 64jährige Therapeutin als Sonntagsgast im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Allerdings sei sie viel konventioneller als ihre berühmte Verwandte.

Geprägt von starken Persönlichkeiten

Meret Oppenheim war nur eine von vielen besonderen Menschen in Lisa Wengers Jugendjahren. Im Haus von Wengers Eltern im Tessin gingen zahlreiche Berühmtheiten ein und aus. Hermann Hesse hatte gar in die Familie eingeheiratet.Es sei nicht immer einfach gewesen, neben all diesen Figuren eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, sagt Wenger. Und das, obwohl das Bewusstsein für Persönlichkeitsentwicklung ausserordentlich gross war: Wengers Eltern waren Anhänger des Psychoanalytikers C.G. Jung.

Auch Lisa Wenger arbeitet heute im therapeutisch-pädagogischen Bereich. Und sie lebt im Tessiner Dorf Carona. Dort, wo die Künstlerinnen in ihrer Familie ihre Spuren hinterlassen haben.

Das Buch «Meret Oppenheim: Worte nicht in giftige Buchstaben einwickeln» erschien im April 2013. Herausgeberinnen sind Lisa Wenger und die Kunsthistorikerin Martina Corgnati.