Wohnraum schützen in der Stadt Bern: Pseudomassnahme oder nötig?

Die Stadt Bern will Wohnraum auch weiterhin schützen. Die Umnutzung einer Wohnung soll nur mit Bewilligung der Behörden möglich sein, auch wenn sie zonenkonform wäre. Nun muss das Stimmvolk entscheiden.

Bild der Berner Altstadt.

Bildlegende: «Vor allem in der Altstadt sollen Wohnungen geschützt werden», sagt Stadtpräsident Tschäppät. Keystone

Die Stadt Bern schützt bestehenden Wohnraum: Ohne Bewilligung der Behörden ist es verboten, eine Wohnung abzubrechen oder sie umzunutzen. Bisher stützte sich die Stadt auf ds kantonale Gesetz über die Erhaltung von Wohnraum. Da dieses aber seit Ende 2011 ausser Kraft ist, will der Gemeinderat Wohnraum fortan mit einem eigenen Reglement schützen. Dieses kommt am 9. Juni 2013 zur Abstimmung.

Für Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist klar, dass es, neben neuen Wohnungen, auch den Schutz von Wohnraum braucht. Die Wohnungslage in Bern sei prekär: «Es hat kaum leere Wohnungen, kaum ein Markt, der spielt.» Vor allem die Wohnungen in der Altstadt sollen durch das neue Baureglement geschützt werden. «Ein Büro in der Altstadt ist hochattraktiv», dort sei die Gefahr, dass Wohnraum verschwindet, am grössten, so Tschäppät weiter.

Wir sprechen von einem «Muggeseckli»

Für die Gegner des Reglements ist dieses unnötig. In den letzten fünf Jahren seien nur gerade 16 Gesuche für eine Umnutzung abgelehnt worde, sagt Adrian Haas, Vizepräsident des bernischen Hauseigentümerverbands. «Bei insgesamt 75'000 Wohnungen in der Stadt Bern sprechen wir von einem ‹Muggeseckli›.»

Vielmehr brauche es zusätzlichen Wohnraum, das heisst mehr Bauzonen. «Das würde viel mehr bringen als diese Verkomplizierung des Baubewilligungs-verfahrens».

Das Berner Stadtparlament hat sich mit 54 zu 16 Stimmen für den Schutz von Wohnraum ausgesprochen.