Zehn Jahre Neubaustrecke - wohin geht die Reise?

Wer heute im Zug von Bern nach Zürich fährt, hat ohne Verspätung noch 56 Minuten. Vor zehn Jahren fuhr ein Zug die Strecke erstmals unter einer Stunde, als die Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist eröffnet wurde.

Zwei ältere Herren beobachten von einer Böschung einen vorbeifahrenden Zug.

Bildlegende: Zwei ältere Herren beobachten im Oktober 2004 einen der ersten Züge auf der Neubaustrecke bei Kirchberg. Keystone

Die neue Strecke hat ihre Spuren hinterlassen. «Der Lebensstil in Bern wurde städtischer», sagt der Raum- und Verkehrsplaner Marc Schneiter. «Die Leute fühlen sich auch in anderen Städten heimisch und finden sich dort zurecht.»

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Bildlegende: Die Neubaustrecke führt ohne Umweg von Mattstetten nach Rothrist. zvg/SBB

Der Verkehrsplaner spricht im Zusammenhang mit der neuen Strecke von einem «genialen Werk». Was damals geplant wurde, habe sich bewährt. Dank dem Teilstück können nicht nur zwischen Bern und Zürich bessere Verbindungen angeboten werden. «Auch in den Regionen konnten die Verbindungen verbessert werden.» Die Folgen des Erfolgs: überfüllte Züge.

Immer mehr Pendler

Heute benützen 57 Prozent mehr Leute die Zugstrecke Bern-Zürich als noch vor zehn Jahren. Und der Anstieg werde anhalten, sind sich die Verkehrsplaner einig. «Wir wollen mehr Kapazität auf der Linie Bern-Zürich», sagt Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr.

«  Wir wollen das Pendeln nicht noch attraktiver machen »

Olivia Ebinger
Bundesamt für Verkehr

Auch in Zukunft soll jeder Fahrgast einen Sitzplatz bekommen. Deshalb werden einzelne Nadelöhre beseitigt, unter anderem soll der Bahnhof Bern ausgebaut werden. So können noch mehr Züge die Strecke befahren. Heute sind es täglich 120 Züge. Heute gilt der Halbstundentakt, längerfristig ist der Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich geplant. Nicht investiert wird in die Geschwindigkeit. «Wir wollen das Pendeln nicht noch attraktiver machen», sagt Olivia Ebinger.

Deshalb verfolgt der Bund auch die Idee einer direkten Strecke quer durchs Mittelland nicht weiter. «Eine solche Linie käme wegen der vielen Einsprachen gar nicht zustande», kommentiert Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr die Idee «Direttissima».

Auch vom Tisch ist «Swissmetro». Eine gänzlich unterirdische Eisenbahnlinie durchs Mitteland ist schlicht zu teuer und würde noch mehr Pendlerströme generieren.