Zweisimmen bekommt Spital-Neubau - aber ohne Geburtenabteilung

Die Spital STS AG hält am Spital-Standort Zweisimmen fest. Sie plant einen Neubau für 30 Millionen Franken, der ab 2016 die Akutversorgung, das Alterswohnen und Hausarztpraxen unter einem Dach vereinen soll. Eine Geburtenabteilung soll es aber nicht mehr geben.

Diesen Entscheid des Verwaltungsrats gab die Spital STS AG am Montag vor den Medien in Zweisimmen bekannt. Er beendet mehrere Jahre der Ungewissheit, ob das Obersimmentaler Spital eine Zukunft hat. «Die Partnerschaft mit Alterswohnen und den Hausärzten macht diese Lösung möglich. Es ist ein klares Bekenntnis zum Spitalstandort Zweisimmen», sagt STS-Verwaltungsratspräsident Thomas Bähler. Der Verwaltungsrat will damit auch der Vorgabe des bernischen Regierungsrats Rechnung tragen, der das Spital Zweisimmen vor Jahresfrist als versorgungsnotwendig eingestuft hatte.

Die Schliessung des Spitals Saanen und eine neue Regelung im Spitalversorgungsgesetz, dass die Bevölkerung innert 50 Kilometern Zugang zu einem Akut-Spital haben muss, öffneten hier neue Wege.

Praktisch gleiches Angebot ohne Geburtenabteilen

Das neue Spital Simmental-Saanenland mit noch 25 statt 35 permanenten Betten soll Innere Medizin anbieten, eine auf die Bedürfnisse der Region fokussierte Chirurgie sowie einen 24-Stunden-Notfallbetrieb. Wie bisher werden Dialyse und Gynäkologie angeboten. Der Stützpunkt des Rettungsdienstes bleibt in Saanenmöser.

Die Geburtenabteilung mit ihren zurzeit etwa 120 Geburten jährlich, die vom Kanton als nicht versorgungsnotwendig erklärt wurde, wird auf April 2015 ans Spital Thun verlegt. Für Schwangere in der Region Obersimmental-Saanenland werde es dabei Zusatzangebote geben, beispielsweise Familienzimmer für die Zeit unmittelbar vor der Geburt in Thun.

Rund 20 Stellen werden im Zug der Reorganisation nach Thun verlagert. Ein Stellenabbau oder Entlassungen seien nicht vorgesehen, sagte Projektleiter Marcel Brülhart. Das heisst: 100 Arbeitsplätze bleiben im Obersimmental.

Die Spitalgruppe STS finanziert den Neubau aus eigener Kraft und bittet den Kanton bestensfalls um eine Bürgschaft oder um Projektbeiträge. Mit dem Neubau und den neuen Strukturen reduziert sich das Defizit des Spitals Zweisimmen von 5 auf 1,3 Millionen Franken pro Jahr, was vom Spitalunternehmen als akzeptabel bezeichnet wird.

Positive erste Reaktionen aus der Region

Marcel Brülhart hat es fertiggebracht, die verschiedenen Interessen und Talschaften nach jahrelangem Streit zu einer gemeinsamen Lösung zu bringen. «Ich bin sehr froh, dass die Unsicherheit ein Ende hat, auch wenn es schade ist, dass wir die Geburtshilfe verlieren», sagt zum Beispiel Ernst Hodel, Gemeinderatspräsident von Zweisimmen, «aber es bleibt viel mehr, als wir eigentlich erwartet haben.»

Auch für die Hausärzte, die als dritter Partner im Neubau einziehen, ist die Lösung zukunftsgerichtet. «Damit können wir Praxisgemeinschaften gründen, die als Arbeitsort attraktiv sind», bestätigt der Gstaader Allgemeinpraktiker Beat Michel, «dazu haben wir die Nähe zu einem Spital, was für die Grundversorgung der Hausärzte wesentlich ist.»