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Angeschossen und verschwunden Treffsicherheit der Jäger in der Kritik

Es ist eine alte Forderung aus Tierschutzkreisen: Jäger und Jägerinnen müssen besser treffen, damit die Tiere weniger leiden müssen. Vor drei Jahren führte der Bund deshalb einen obligatorischen Schiesstest ein. Hat dieser die Situation verbessert? Ein erstes Zwischenfazit.

Jäger und toter Hirsch
Legende: Bündner Jäger bei Klosters mit einem erlegten Hirsch. Keystone

Seit 2015 müssen die Jäger und Jägerinnen in allen Kantonen periodisch zum Schiesstest antreten. Die Bündner Jäger müssen für die Hirschjagd einmal jährlich, aus einer Distanz von 100 Metern, viermal hintereinander eine Scheibe treffen. Fehler sind erlaubt, der Test kann wiederholt werden und ist Voraussetzung für den Kauf eines Patents.

Treffsicherheit auf dem Prüfstand

Ein Indiz für die Treffsicherheit der Bündner Jägerinnen und Jäger ist die Zahl der Nachsuchen - also wenn wie am Beispiel der Hirschjagd ein Tier zwar getroffen wird, aber fliehen kann und mit einem Hund gesucht werden muss.

  • 2016 mussten insgesamt 516 Hirsche (9,5% aller Abschüsse) gesucht werden. Davon knapp die Hälfte (4%) wurde nicht gefunden - die rund 200 Tiere verendeten oder lebten mit der Verletzung weiter.
  • In den letzten fünf Jahren schwankte die Zahl der Nachsuchen gemessen an den Gesamtabschüssen zwischen 8,8% und 11%. Davon wurden ein Drittel bis zur Hälfte nicht gefunden.

Die Zahlen stammen vom Amt für Jagd und Fischerei. Die kleinen Differenzen zum Beitrag der «Rundschau» würden sich daraus ergeben, dass bei dieser Statistik die Zweitsuchen nach dem gleichen Tier nicht gezählt worden seien, erklärt Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei (siehe unten).

Braucht es einen strengeren Schiesstest?

Punkto Treffsicherheit gibt es aufgrund der Zahlen zur Nachsuche keine grossen Veränderungen. In den letzten fünf Jahren musste im Schnitt jeder zehnte Hirsch gesucht werden.

Braucht es also einen strengeren Schiesstest für die Jagd, zum Beispiel auch mit beweglichen Zielen? «Wir plädieren dafür, dass die Jäger in erster Linie auf stehende Tiere schiessen», sagt Jenny. «Man sollte die Jäger nicht dazu verführen, auf laufende Tiere zu schiessen», wie dies im Rahmen eines Tests gefordert werde. Zentral sei, dass ein Jäger seine Treffsicherheit korrekt einschätzen könne.

Ob sich der eine oder andere Jäger schon verführen liess, auf einen Hirsch auf der Flucht zu schiessen - und dies mit ein Grund für die rund 450 bis 500 Nachsuchen bei Hirschen pro Jahr sein könnte - ist unklar. Der Kanton erhebt bei den Nachsuchen nicht, unter welchen Umständen ein Jäger auf das Tier schoss.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs

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