Unfall auf dem Cresta Run Brite gewinnt vor dem Bündner Kantonsgericht

Vor bald zehn Jahren verunfallte ein britischer Elite-Soldat schwer auf der Skeletonbahn «Cresta Run» im Engadin. Nun sprach das Gericht sprach den früheren Sekretär des «Cresta Club» erneut der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig. Es ist das sechste Urteil zum gleichen Fall.

Der Cresta Run

Bildlegende: Ein Fahrer auf dem Cresta Run bei St. Moritz. Die Bahn wird von einem britischen Privatclub betrieben. Keystone

Das Bündner Kantonsgericht selber beschäftigte sich bereits zum dritten Mal mit dem schweren Unfall. Den letzten Entscheid vor einem Jahr hatte das Bundesgericht kassiert, weil das Kantonsgericht auf eine mündliche Verhandlung verzichtet hatte. Damit habe das Gericht die Verteidigungsrechte des Beschuldigten verletzt, befanden die Richter in Lausanne.

«  Es war ein schrecklicher, schrecklicher, fast zehnjähriger Kampf.  »

Bernie Bambury
Privatkläger

Am Dienstag verhandelte das Gericht deshalb erneut den schweren Unfall aus dem Jahr 2008. Das Opfer, ein britischer Elite-Soldat, hatte damals nach einer Kurve die Kontrolle über seinen Schlitten verloren, geriet mit einem Bein über den Bahnrand und prallte gegen einen scharfen Vierkantpfosten. Dieses trennte den Fuss vom Bein. Der heute 41-jährige Mann musste zehn Operationen über sich ergehen lassen, bis der Fuss schliesslich amputiert wurde.

Bedingte Geldstrafe von 1000 Franken

Das Gericht sprach den damaligen Club-Sekretär am Mittwoch schuldig der fahrlässigen schweren Körperverletzung. Der 68-jährige Engländer wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 1000 Franken verurteilt. Er muss zudem dem Opfer eine Entschädigung von 33'000 Franken zahlen.

«  Diese Pfosten dort sind gefährlich. »

Peter Schnyder
Bündner Kantonsrichter

Ein wichtiger Punkt für den Schuldspruch war für das Gericht die Position des fraglichen Pfostens – ein Vierkantholz für die Befestigung eines Sonnenschutzes. Dieser sei deutlich zu nahe an die Bahn gebaut worden. Diese Gefahr hätte der Sekretär als Sicherheitsverantwortlicher im Voraus erkennen müssen.

Das Opfer, heute 41jährig, sagte nach dem Schuldspruch, er sei dem Kantonsgericht Graubünden dankbar. Es ein «schrecklicher, schrecklicher Kampf» gewesen für einen Gerichtsentscheid, der für ihn Beweis sei, dass sich der Club nach dem Unfall bei ihm hätte entschuldigen sollen. Eine solche Entschuldigung war ihm versagt geblieben, weswegen er jahrelang vor den Gerichten stritt. Er hoffe jetzt, «das alles zu vergessen».

Der Entscheid kann an das Bundesgericht weitergezogen werden. Der Verurteilte wie auch seine beiden Anwälte wollten sich nicht dazu äussern.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs, SDA