Einseitig informiert? Bündner Olympia-Abstimmungskampf landet vor dem Presserat

Auszug aus der Beilage

Bildlegende: Stein des Anstosses: Die Beilage in der «Davoser Zeitung». ZVG Davoser Zeitung

Die Sonderbeilage vom 24. Januar der «Davoser Zeitung» trug den Titel «Die Fakten zur Abstimmung vom 12. Februar». Doch in Tat und Wahrheit handle es sich um bezahlte Werbung der Befürworter, kritisieren die beiden Davoser Politiker Walter von Ballmoos (GLP) und Philipp Wilhelm (SP), beide im Grossen Landrat. Dies verstosse gegen das Gebot, Werbung und redaktionellen Inhalt klar zu trennen.

Sie haben deshalb eine Beschwerde beim Presserat eingereicht, wie sie in einer Mitteilung schreiben.

Somedia spricht von «Native Advertising»

«Werbung muss deklariert werden», sagt Philipp Wilhelm. Die Sonderbeilage präsentiere sich aber als redaktioneller Beitrag, dies sei nicht zulässig. Somedia-Geschäftsführer Andrea Masüger bestätigt auf Anfrage, dass es sich um Werbung handle. Es handle sich um «eine moderne Form von Native Advertising, wie es andere Verlagshäuser auch betreiben» – also eine Werbung, die für den Leser nicht mehr als solche erkennbar ist.

«Dabei ist nicht eine übergeordnete publizistische Sicht massgebend, sondern die Sicht des Kunden», so Masüger weiter. Und: «Selbstverständlich hätten auch die Olympia-Gegner eine solche Beilage in Auftrag geben können.»

Ähnliche Werbung wurde in den vergangenen Wochen auch in den beiden Zeitungen Südostschweiz und Bündner Tagblatt geschaltet. Dort bekamen die potentiellen Austragungsorte unter dem Titel «Die Gemeinde informiert» eine Plattform. Auch das waren Inserate, wie Somedia auf Anfrage bestätigte.

Kritik an Verleger Hanspeter Lebrument

Wilhelm und von Ballmoos kritisieren weiter Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument – die «Davoser Zeitung» ist Teil des Bündner Verlags. So heisst es in der Mitteilung, es sei bekannt «dass der Verleger der Davoser Zeitung, Hanspeter Lebrument, ein bekennender Befürworter der Olympischen Winterspiele ist». Lebrument habe in einem Interview gegenüber der Zeitung «Südostschweiz» im Dezember klar gemacht, dass er seinen Einfluss geltend machen will.

Gegenüber Radio SRF hatte Lebrument in einem früheren Interview gesagt, es gebe keine Argumente gegen Olympische Winterspiele.

SRF1, Regionaljournal Graubünden und Ostschweiz; habs