Churer Bischof entlässt Sedruner Pfarrer

Nun hat auch der Churer Bischof Hounder den Pfarrer der Kirchengemeinde Sedrun seines Amtes enthoben. Der Vorstand hatte ihren Pfarrer bereits freigestellt. Reto Nay soll in die Affäre um die mit Hakenkreuzen verunglimpften Bischöfe in einem Fernsehbeitrag verwickelt sein.

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Sedruner Pfarrer muss gehen

4:59 min, aus Schweiz aktuell vom 14.3.2013

Der in Sedrun in der Bündner Oberländer Gemeinde Tujetsch tätige katholische Priester Reto Nay wird entlassen. Gestolpert ist der Gottesmann über Publikationen auf dem privaten religiösen Internetportal gloria.tv. Reto Nay habe «den Bogen überspannt», sagte der Tujetscher Kirchgemeindepräsident Leci Brugger auf Anfrage.

Der Vorstand der Kirchgemeinde beschloss die Entlassung des Priesters, der seit sechseinhalb Jahren im Tujetscher Hauptort Sedrun arbeitet. Nay war an der Sitzung des Kirchgemeindevorstandes anwesend und wurde angehört. Der Priester habe den Beschluss des Vorstandes über die Entlassung «höflich entgegengenommen» und Verständnis gezeigt, sagte Brugger.

Die Kirchgemeinde Tujetsch ist in Kontakt mit der Bistumsleitung in Chur und bemüht, die Entlassung rechtlich korrekt abzuwickeln. Danach soll der Priester vom Amt freigestellt werden. Der in Ungnade gefallene Geistliche war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bruch wegen Hakenkreuz

Zum Verhängnis geworden ist Gottesmann Nay das Internetportal gloria.tv, das er mitbegründete und auf dem er auch als Prediger auftritt. Anfänglich wohlgelitten und unterstützt, kam der Bruch mit den Kirchen-Oberen im Zusammenhang mit der Diskussion um die «Pille danach».

Auf dem Portal zu sehen war eine Fotomontage von deutschen Bischöfen mit Hakenkreuz. Der Sender habe sich in den letzten Monaten radikalisiert, sagte Giuseppe Gracia, Sprecher des Churer Bischofs, auf Anfrage. Es sei die Absicht von Bischof Huonder, Nay zu entlassen.

Schriftlich wurden die Macher von gloria.tv von der Bistumsleitung bereits aufgefordert, alle mit der Person des Churer Bischofs zusammenhängenden Beiträge zu löschen. Bischof Huonder wird auf der Webseite gegen 100 Mal erwähnt.

Bischöfliches Lob

Huonder war dem Portal früher durchaus verbunden. In einem Schreiben vom Juni 2008 empfahl der Churer Oberhirte die Arbeit von gloria.tv und bat die Gläubigen, «das Unternehmen wohlwollend zu unterstützen». Bevor es zum Bruch kam, war der religiöse Internetsender auch in deutschen Kirchenkreisen wohlgelitten. Deutsche Bischöfe hätten den Sender sogar mit Beiträgen beliefert, sagte Bistumssprecher Gracia.