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Der Spöl war kein Einzelfall «Jetzt müssen wir herausfinden, von wo das PCB kommt»

Graubünden hat an drei Stellen in Flüssen erhöhte Bauschadstoff-Konzentrationen gefunden. Das berichtet die Zeitschrift «Beobachter» und bestätigt der Kanton in einer Medienmitteilung.

Legende: Video Messungen in Bündner Flüssen abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 29.03.2018.
  • Auslöser für die Messkampagne in den Bündner Flüssen war eine Sanierungspanne bei der Staumauer «Punt dal Gall» der Engadiner Kraftwerke.
  • An insgesamt 27 Stellen in verschiedenen Bündner Flüssen hat das Amt für Natur und Umwelt die PCB-Konzentration überprüft.
  • Wie die Zeitschrift «Beobachter», Link öffnet in einem neuen Fenster heute berichtet, fand das Amt an drei Stellen erhöhte PCB-Konzentrationen: Im Vorderrhein bei Ilanz, in der Plessur bei Litzirüti und im Inn bei Martina. Diese sind tiefer als die gemessenen Werte beim Spöl.
  • PCB steht für polychlorierte Byphenyle. Die Industriechemikalie ist seit über 30 Jahren weltweit verboten, gilt als krebserregend und hormonaktiv.

Man habe mit der Messreihe ausschliessen wollen, «dass es einen ähnlichen Fall gibt», zitiert der Beobachter Remo Fehr, Leiter des Bündner Amts für Natur und Umwelt. Gegenüber Radio SRF sagte Fehr: «Wir haben befürchtet, dass man noch etwas findet. Jetzt müssen wir herausfinden, von wo das PCB kommt».

Woher kommt das PCB?

Alle drei Messstellen befinden sich unterhalb von Wasserkraftwerksanlagen. Bei Martina beispielsweise mündet eine Druckleitung in den Inn. Es sei noch unklar, ob sie die PCB-Quelle sei, sagt Michael Roth, Direktor der Engadiner Kraftwerke. Es sei aber denkbar: «Das Wasser läuft über lange Druckleitungen, die mit PCB behandelt sind».

Weckruf Sanierungspanne beim Spöl

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Bei Sanierungsarbeiten an der Staumauer des Livigno-Stausees waren im September 2016 mehrere Kilogramm PCB-haltiger Staub entwichen, weil eine Baustellenabdichtung leck geschlagen hatte. Der Bach Spöl unterhalb der Staumauer ist heute auf einer Länge von fünf Kilometern kontaminiert.

Laut aktuellen Berechnungen geht das Amt für Natur und Umwelt davon aus, dass sich rund vier Kilogramm reines PCB im Spöl befinden. Über 80 Prozent davon seien älteren Datums und laut Beobachter vermutlich bei früheren Sanierungsarbeiten und durch den Betrieb abgerieben worden.

Auch bei Litzrirüti mündet eine Druckleitung in die Plessur. Diese wurde vor acht Jahren saniert. Laut Geschäftsführer Tino Mongili wurde damals aber keine PCB-haltige Korossionsschutzfarbe entfernt. «Was unsere Anlagen betrifft, tappen wir im Dunkeln». Es seien weitere Abklärungen notwendig. Unklar ist die Quelle auch im Fall Ilanz.

Das Amt für Natur und Umwelt will weitere Messungen durchführen, um die Quellen zu klären. In Frage kommen auch Brücken oder Strommasten, die früher mit einer PCB-haltigen Farbe behandelt wurden.

Polychlorierte Biphenyle PCB

Polychlorierte Biphenyle PCB sind organische Chlorverbindungen. Sie wurden bis in die 1980er Jahre unter anderem als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen verwendet. PCB sind durch das Stockholmer Übereinkommen seit 2004 weltweit verboten. Sie gelten als krebserregend und hormonaktiv.

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden, 06:33 Uhr

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