Dicke Luft im Misox: Grenzwert pulverisiert

Das Südbündner Tal Misox kämpft mit der schlechten Luft. Besonders viel Feinstaub hatte es Ende 2015. Im November und Dezember wurde der Grenzwert an 33 Tagen überschritten. Erlaubt wäre aber nur ein Tag pro Jahr. Der Kanton will die Situation verbessern.

Säulendiagramm der Feinstaubbelastung

Bildlegende: Feinstaub-Belastung in San Vittore Der Feinstaub-Grenzwert von 50 μg/m³ wurde im November und Dezember an 33 Tagen überschritten. Screenshot luft.gr.ch

Nicoletta Noi, parteilose Grossrätin aus dem Misox, wohnt in San Vittore. Ende Dezember konsultierte sie die Internetseite des Kantons. Sie sei erschrocken, wie hoch die Feinstaub-Belastung in ihrem Dorf sei.

Alleine im November und Dezember wurde der Grenzwert an 33 Tagen überschritten (siehe Grafik). 2015 waren es insgesamt 43 Tage - schweizweit ein Spitzenwert punkto Feinstaubbelastung, bestätigt das Bundesamt für Umwelt. Die Politikerin schrieb deshalb einen offenen Brief an die Bündner Regierung und kritisierte die fehlenden Massnahmen in Bezug auf die Luftverschmutzung. Für Nicoletta Noi ist klar: Neben Verkehr, Holzheizungen und Wetter sind auch die Unternehmen in der Industriezone San Vittore Teil des Problems.

Bis in fünf Jahren soll sich die Situation verbessern

Die schlechte Luft im Misox beschäftigt das Bündner Amt für Natur und Umwelt bereits seit einigen Jahren. 2014 analysierte die Behörde die Luftsituation im Tal und kommt zu einem anderen Schluss als die Misoxer Politikerin. «Verantwortlich für die hohe Feinstaubbelastung sind besonders die Holzheizungen», sagt Remo Fehr, Leiter des Amts für Natur und Umwelt. 70% könnten dieser Quelle zugerechnet werden.

Remo Fehr sagt weiter, beim Kanton seien verschiedene Massnahmen angedacht, aber noch nicht realisiert. Investieren wolle man in bessere Heizungen und dafür finanzielle Unterstützung bereitstellen. Anträge könnten seit Anfangs Jahr eingereicht werden.

Handeln will der Kanton auch beim Grenzwert für alle Anlagen, die Feinstaub ausstossen. Dieser soll gesenkt werden. Den Entscheid muss die Bündner Regierung treffen. Laut Remo Fehr sollte sich die Situation in fünf Jahren merklich verbessert haben.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs